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Exporte : Der Dioxin-Skandal belastet Agrarausfuhr

Eier aus Deutschland sind momentan nicht überall willkommen Bild: REUTERS

Südkorea führt kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr ein, britische Supermärkte nehmen deutsche Eier aus den Regalen, die Slowakei hat ein Verkaufsverbot für Eier, Geflügel- und Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium kritisiert die Verbote.

          Der Dioxin-Skandal belastet zunehmend die deutsche Ausfuhr von Agrarprodukten. Südkorea führt kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr ein, britische Supermärkte nehmen deutsche Eier aus den Regalen, die Slowakei hat ein Verkaufsverbot für Eier, Geflügel- und Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Während die Briten offenbar nichts anders machen als deutsche Händler, wenn sie auf kritische Chargen stoßen, stößt das Vorgehen der Slowakei auf scharfen Widerspruch der Bundesregierung, weil man das Land an die gemeinsamen Regeln gebunden sieht. Mit Hilfe der EU-Kommission soll die Regierung in Bratislava dazu gebracht werden, seine Grenze wieder für deutsche Agrarprodukte zu öffnen. Südkorea, so hofft man, werde man davon überzeugen können, dass seine Schutzmaßnahmen überzogen sind.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Wir stellen klar, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gesundheitsgefährdung von deutschen Exporten ausgegangen ist“, sagte der Sprecher von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) am Sonntag. „Wenn die Slowakei deutsche Produkte gesperrt hat, dann ist das unbegründet und damit völlig inakzeptabel“, betonte er. Deutschland befinde sich in enger Abstimmung und in engem Austausch mit der Kommission in Brüssel. Die Kommission habe die Wirksamkeit der in Deutschland getroffenen Maßnahmen bestätigt, hob er hervor. „Mit Korea sind wir im Gespräch, um die Behörden dort von der Wirksamkeit der deutschen Maßnahmen zu überzeugen“, berichtete der Sprecher.

          Keine generelle Entwarnung

          Am Wochenende entspannte sich die Lage auf den Bauernhöfen, obwohl neue Proben des im Zentrum des Skandals stehenden Futterfett-Herstellers Harles und Jentzsch ein Überschreiten des zulässigen Grenzwertes ergaben. Nach Agenturberichten meldete das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium am Samstag weitere Extremwerte von bis zu 54,67 Nanogramm Dioxin – bei einem zulässigen Grenzwert von 0,75 Nanogramm. In vorangegangenen Proben war der Wert sogar noch mehr überschritten worden.

          Nach Angaben des Ernährungsministeriums sank die Zahl der gesperrten Höfe von 4900 auf rund 4000. Zwar hätten einzelne Untersuchungen in drei Legehennen erhöhte Dioxin-Gehalte ergeben, aber das Fleisch sei nicht in Verkehr gekommen. Die Tiere stammten aus einem Betrieb, in dem man belastete Eier identifiziert habe. Die vorsorglich verfügte Sperrung von Milchbetrieben wurde komplett aufgehoben. In Masthühnern, Puten und Schweinen seien keine erhöhten Werte festgestellt worden.

          Dennoch will Aigner noch keine generelle Entwarnung geben. Auf die Forderung, der Staat müsse die Landwirte für ihre Verluste entschädigen, reagierte sie zurückhaltend. „Ich hielte es für falsch, in einen Wettlauf der Forderungen einzutreten“, sagte die CSU-Politikerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. An diesem Montag will sie Vertreter der betroffenen Verbände treffen, um eine erste Bilanz zu ziehen und über Konsequenzen zu beraten. Eine Forderung ist, die Produktion und den Transport von Industrie- und Futterfetten grundsätzlich zu trennen.

          Die Ministerin bezeichnete die Situation für die betroffenen Betriebe als bitter. „Wenige schwarze Schafe haben hier enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.“ Priorität hätten zunächst der Schutz der Verbraucher und die vollständige Aufklärung. Danach werde man über die Folgen zu sprechen haben. „Die Verursacher müssen zur Rechenschaft gezogen und in Haftung genommen werden. Sie haben für die entstandenen Schäden geradezustehen“, meinte die CSU-Politikerin.

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