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Internes Papier : Experten beklagen Schönrechnerei im EU-Haushalt

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Die Väter des EU-Haushalts: Kommissionschef Jean-Claude Junker (links) und Haushaltskommissar Günther Oettinger. Bild: dpa

Damit der europäische Haushalt größer wirkt, greift die EU-Kommission zu einem Rechentrick. Experten des Europaparlaments haben nun nachgerechnet – und beziffert, wie viel Geld wirklich da ist.

          Nach unabhängigen Experten haben nun auch Haushaltsfachleute des Europaparlaments den Verdacht geäußert, dass die EU ihren vor gut zwei Wochen vorgelegten Haushalt schönrechnet. Wie aus einem internen Parlamentspapier hervorgeht, stellten die Experten in eigenen Berechnungen fest, dass Landwirte und strukturschwache Regionen deutlich stärkere Einschnitte zu befürchten haben könnten als öffentlich von der EU-Kommission behauptet. Die geplanten Mittelaufstockungen für Forschungs- und Jugendprogramme könnten hingegen real deutlich niedriger ausfallen als angegeben. Hintergrund ist, dass die Kommission die Zahlen des Haushalts nicht wie üblich in festen Preisen, sondern in laufenden Preisen vorlegt, worüber die F.A.Z. bereits bei Vorlage des Haushalts berichtet hatte.

          Konkret gehen die EU-Experten davon aus, dass Direktzahlungen an Landwirte real nicht um vier, sondern um mehr als zehn Prozent gekürzt werden sollen; die Mittel für strukturschwache Regionen um zehn statt um sieben Prozent. Für die Forschungsförderung kündigte die EU-Kommission hingegen 50 Prozent mehr Geld an, während die Experten des Parlaments real nur einen Anstieg von 13 Prozent nachvollziehen können. Die angekündigte Verdopplung der Mittel für das Jugendaustauschprogramm Erasmus könnte den Berechnungen zufolge real nur einem Plus von 77 Prozent entsprechen.

          Ziel: Politisch vorteilhafte Zahlen

          In dem Papier heißt es, um die politisch vorteilhaften Zahlen präsentieren zu können, habe die EU-Kommission in manchen Fällen einfach nicht wie üblich mit inflationsbereinigten Preisen gerechnet. Zudem gibt es die Vermutung, dass teilweise geplante Summen für die Siebenjahresperiode von 2021 bis Ende 2027 mit geplanten Summen für das Einzeljahr 2020 verglichen werden.

          Ein Sprecher der EU-Kommission wies auf Anfrage den Verdacht zurück, dass die Behörde mit unsauberen Vergleichen arbeiten könnte. „Wir stehen zu den Zahlen. Unsere Berechnungsmethode ist fair und angemessen“, sagte er. Zugleich räumte er ein, dass dies nicht heißen müsse, dass die Zahlen aus dem Europaparlament falsch seien. Je nachdem mit welchen Daten man rechne, könne man durchaus zu anderen Ergebnissen kommen.

          Am Ende gehe es aber ohnehin nur darum, dass die notwendigen Kürzungen in Bereichen wie der Landwirtschaft „maßvoll und vertretbar“ seien. Ob es letztendlich um fünf, sechs, elf oder zwölf Prozent gehe, sei eine Frage der Berechnung und letztendlich unerheblich. „Worauf es ankommt ist, dass man verantwortungsvoll spart“, erklärte er. Kürzungen seien wegen des bevorstehenden EU-Austritts des großen Nettozahlers Großbritannien unvermeidbar.

          Der Entwurf für den künftigen europäischen Finanzrahmen war Anfang Mai von Oettinger und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker präsentiert worden. Er sieht vor, dass für den Zeitraum von 2021 bis Ende 2027 insgesamt Mittel in Höhe von 1279 Milliarden Euro eingeplant werden sollten.

          Über den Vorschlag diskutieren derzeit Vertreter der EU-Staaten, die sich letztlich einstimmig auf den künftigen Gemeinschaftshaushalt einigen müssen. Die Verhandlungen unter den Mitgliedstaaten dürften etliche Monate dauern, wenn nicht sogar noch deutlich länger. Dann muss auch noch das Europaparlament zustimmen.

          Von dort kommt jetzt schon die Warnung, dass mit den derzeit vorliegenden Informationen von Oettinger nicht gearbeitet werden könne. „Technische Klarstellungen und objektive Zahlen sind unerlässlich für eine saubere politische Bewertung der Vorschläge“, schrieb der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Jean Arthuis, am Mittwoch an Oettinger. Er möge sein Team doch bitte anweisen, unverzüglich bereits vor zwei Wochen versprochene Zusatzinformationen zu schicken.

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