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Experte zum Handelsstreit : „Die Europäer werden sich nicht hinter Amerika versammeln“

  • Aktualisiert am

Chinesen fertigen einen Computertomographen in der Stadt Liaoning. Bild: Reuters

Der Handelskonflikt zwischen Amerika und China spitzt sich zu. Jetzt sucht Washington wohl nach Verbündeten. Ein Fachmann sagt, wie die Chancen stehen.

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          Im eskalierenden Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China mehren sich die kritischen Stimmen aus Amerika. „Die Chinesen haben klargemacht: ,Ihr wollt einen Handelskrieg? Wir sind vorbereitet.'“, sagte Robert Ross, Fachmann für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen in Boston, dem Finanzsender CNBC: „Und das sind sie. Denn natürlich haben sie einen sehr großen Markt und eine sehr robuste Ökonomie.“ Zuvor hatte bereits der Chef der einflussreichen amerikanischen Handelskammer den Präsidenten Donald Trump gewarnt davor, viele neue Zölle gegenüber China zu erheben.

          Aus China kamen derweil ebenfalls deutlich Ansagen. „Wenn ein Handelskrieg erst einmal beginnt, werden sich die leistungsfähigen Länder den Vereinigten Staaten nicht beugen“, hieß es in einem Leitartikel der staatlichen Zeitung „Global Times“. China wolle einen Handelskrieg vermeiden.

          Und was wird aus Nafta?

          Sollte es dennoch dazu kommen, werde es keine Beschwichtigungspolitik geben. Der Forderung aus Washington, China solle seinen Überschuss im Handel mit Amerika um 100 Milliarden Dollar abbauen, wurde eine Absage erteilt. „Wenn die Vereinigten Staaten ihr Handelsdefizit reduzieren wollen, müssen sie die Amerikaner dazu bringen, härter zu arbeiten.“

          China war 2017 mit einem Volumen von 636 Milliarden Dollar der wichtigste Handelspartner der Vereinigten Staaten und besonders brisant: Die Einfuhren aus der Volksrepublik überstiegen die Ausfuhren dorthin um 375 Milliarden Dollar.

          Der neue oberste Wirtschaftsberater Trumps signalisierte wiederum eine harte Gangart gegen Peking. „China hat seit langem nicht nach den Regeln gespielt. Ich muss sagen, als jemand, der eigentlich keine Zölle mag, denke ich doch, dass China eine harte Antwort verdient hat“, sagte der konservative Fernseh-Kommentator Larry Kudlow.  Kudlow und auch ein Mitarbeiter des amerikanischen Finanzministeriums kündigten zugleich an, dass Washington auf dem anstehenden Treffen der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) Verbündete suchen wolle, mit denen Amerika gemeinsam gegen China vorgehen könne.

          Auch diese Ankündigung hat es in sich, denn Trump hat sich zuletzt eben auch mit einigen natürlichen Verbündeten angelegt, etwa mit der EU und speziell mit Deutschland. China-Experte Ross hält eine Anti-China-Koalition denn auch unwahrscheinlich. „Die Europäer überbieten sich kontinuierlich darin, Vorteile in China zu bekommen“, sagte er: “Und zu glauben, dass sie sich hinter den Vereinigten Staaten versammeln würden und Sanktionen beschließen, mit denen sie ihr eigenes Wirtschaftswachstum riskieren würden - ich glaube nicht, dass das wahrscheinlich ist.“

          Der EU-Ratspräsident Donald Tusk plädiert unterdessen dafür, die auf Eis liegenden Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen wieder aufzunehmen. Das würde die Möglichkeit bieten, die Zölle auf beiden Seiten weitgehend abzubauen. Dem schloss sich der deutsche Regierungskoordinator für die transatlantischen Beziehungen, Jürgen Hardt, an. Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo wiederum sagte, sein Land und Kanada sollten sich darauf vorbereiten, die nordamerikanische Freihandelszone Nafta ohne die Vereinigten Staaten fortzusetzen.

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