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Heinz-Joachim Neubürger : Ehemaliger Siemens-Finanzchef gestorben

  • Aktualisiert am

Heinz-Joachim Neubürger Bild: AFP

Der frühere Siemens-Top-Manager Heinz-Joachim Neubürger ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Er hatte zeitweise als Kandidat für den Siemens-Chefposten gegolten, war später aber in die Korruptionsaffäre verwickelt.

          Der ehemalige Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger ist tot. Der 62-Jährige habe in München Selbstmord begangen, bestätigte eine ihm nahestehende Person am Freitag. Über die genauen Umstände wollte sie keine Angaben machen. Neubürger war von 1997 bis 2006 Siemens-Finanzvorstand. Nach seinem Rücktritt geriet er im Zuge der Korruptionsaffäre des Konzerns in die Schusslinie. Unter der juristischen Aufarbeitung habe der Manager sehr gelitten, sagte der Freund. „Diese sieben Jahre Martyrium haben ihn gebrochen. Der Mann konnte einfach nicht mehr.“

          Neubürger hatte den Streit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber erst Ende 2014 beigelegt. Siemens-Chef Joe Kaeser äußerte sich betroffen und würdigte die Leistungen des Managers: „Wir verneigen uns vor Heinz-Joachim Neubürger.“ Der Investmentbanker hatte 1989 bei Siemens angeheuert und unter den Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld als Finanzvorstand gearbeitet. Bei Analysten und Investoren war er hochgeschätzt. Zeitweise wurde er als möglicher Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Pierer gehandelt. Nach Neubürgers Ausscheiden im Frühjahr 2006, noch vor Bekanntwerden des Schmiergeldskandals, übernahm Kaeser das Finanzressort. Als die Korruptionsaffäre aufkam, ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Neubürger.

          Siemens und Neubürger einigten sich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro

          Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt.
          Obendrein forderte Siemens in einem Zivilprozess 15 Millionen Schadenersatz. Während sich frühere Top-Manager des Konzerns wie etwa Pierer mit dem Unternehmen einigten, bot Neubürger als Einziger seinem ehemaligen Arbeitgeber die Stirn. In erster Instanz wurde er zur Zahlung der 15 Millionen verurteilt, legte jedoch Berufung gegen das Urteil ein. Im Dezember 2014 einigte sich beide Seiten, den Streit gegen eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro zu beenden.

          Neubürger erkannte die ihm vorgeworfenen Pflichtverletzungen damit nicht an. Er sei ein grundehrlicher Mensch mit festen Grundsätzen gewesen, sagte der Freund. Finanzielle Probleme seien nicht der Grund für seinen Tod gewesen. Siemens hatte die Summe von 2,5 Millionen als angemessen angesehen, weil bei Neubürger ohnehin kaum mehr zu holen sei.

          Siemens-Chef Kaeser sagte am Freitag, beide Seiten seien über die Einigung erleichtert gewesen. Damit habe man „ein belastendes Kapitel eines ansonsten von größtem wechselseitigen Respekt geprägten Verhältnisses“ geschlossen. Im Compliance-Skandal habe Neubürger „mit gutem Willen auch die größten Widrigkeiten ertragen“. Er sei als Finanzexperte innerhalb und außerhalb des Konzerns „höchst geschätzt und anerkannt“ gewesen, lobte Kaeser. „Siemens verdankt ihm viel und würdigt seine Leistungen für unser Haus.“

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