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Chinesische Marke Byton : Ex-BMW-Manager greift mit Elektroauto Tesla an

Autonomes Fahren ist das Ziel

Dazu soll zum Beispiel gehören, dass das Auto seinen Besitzer über eine Gesichtserkennungsfunktion identifizieren und dann die Türen automatisch öffnen kann. Das Fahrzeuginnere soll eine „digitale Lounge“ sein. Das traditionelle Armaturenbrett wird von einem riesigen Bildschirm ersetzt, der sich fast über die ganze Fahrzeugbreite erstreckt, ins Lenkrad ist ein Tabletcomputer integriert. Diese Bildschirme können sich mit Berührung, Stimme oder auch Gesten bedienen lassen. Das Auto ist mit Blick auf eine Zukunft des autonomen Fahrens konzipiert, wie sich auch daran ablesen lässt, dass die Vordersitze rotieren können, um Gespräche zwischen allen Fahrzeuginsassen zu erleichtern.

So sieht´s aus: Carsten Breitfeld vor seinem Publikum und einer überdimensionalen Darstellung des visionären Cockpits in einem Byton.
So sieht´s aus: Carsten Breitfeld vor seinem Publikum und einer überdimensionalen Darstellung des visionären Cockpits in einem Byton. : Bild: Reuters

Bei der Einführung soll das Auto auf der international anerkannten Skala „Level 3“ erreichen, also die Stufe hochautomatisierten Fahrens, bei der der Fahrer in der Lage bleiben muss, innerhalb kurzer Zeit wieder die Kontrolle zu übernehmen. Von 2020 an will Byton auch „Level 4“ ermöglichen. Das heißt, das Auto kann sich in den meisten Szenarien vollständig selbst und ohne Fahrer steuern. Breitfeld war zwanzig Jahre bei BMW und hier unter anderem für die Entwicklung des teilelektrischen Sportwagens i8 verantwortlich. Er spricht noch heute in den höchsten Tönen von seinem alten Arbeitgeber, gesteht aber auch, dass er am Ende bereit für einen Absprung war.

Chinas Schnelligkeit als Wettbewerbsvorteil

Er hatte den Eindruck, innerhalb der Strukturen eines Großkonzerns ließen sich zukunftsträchtige Mobilitätskonzepte nicht so schnell realisieren wie er es für notwendig hielt. Also war er offen, als sich über einen Headhunter das Angebot aus China eröffnete. So groß jetzt die Herausforderung sein mag, ein ganz neues Autounternehmen aufzubauen: Breitfeld findet, es hat auch Vorteile, das „mit einem weißen Blatt Papier“ zu tun und keine Rücksicht auf bestehende Strukturen nehmen zu müssen.

Konkurrenz für Daimler & Co : Das E-Auto aus der Hochschule für den kleinen Geldbeutel

Er wusste auch prominente Mitstreiter auf seiner Seite. Denn angeschoben wurde das neue Autounternehmen vom Internetkonzern Tencent und dem Autohändler Harmony aus China sowie dem taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn. China bietet nach Meinung von Breitfeld außerdem ein ideales Umfeld. In dem Land würden Projekte sehr schnell realisiert, und es werde sehr unternehmerisch gedacht. Für gute Ideen fänden sich hier sogar noch leichter Investoren als im Silicon Valley. Außerdem sei das Forcieren von Elektromobilität in China politisch gewollt und habe für die Regierung Priorität.

Im chinesischen Nanjing hat Breitfelds Unternehmen seine Zentrale, und hier wird auch gerade die erste Produktionsstätte gebaut. Aber der Manager sieht Byton als Weltauto. Das Designstudio ist in München, denn in der Umgebung der bayerischen Metropole seien die besten Spezialisten auf diesem Gebiet. Softwareentwicklung und Aktivitäten rund um autonomes Fahren wiederum seien die Aufgabe der Niederlassung im Silicon Valley.

Breitfeld schätzt, rund ein Viertel seiner 400 Mitarbeiter seien Deutsche, bis zu 35 Prozent Amerikaner und die meisten Anderen Chinesen. Im Management sind frühere Beschäftigte von Unternehmen wie BMW, Tesla, Google und Apple. Personal von Technologiekonzernen wie Apple zu rekrutieren, sei nicht so leicht, aber unter Beschäftigten klassischer Autohersteller stoße Byton auf reges Interesse: „Die rennen uns die Bude ein, und wir können die gar nicht alle einstellen.“

Abgesehen vom Management, das rund 20 Prozent am Unternehmen hält, ist der Eigentümerkreis bislang noch rein chinesisch. Aber Breitfeld steht derzeit vor dem Abschluss einer weiteren Finanzierungsrunde, und er ist zuversichtlich, diesmal auch amerikanische Geldgeber gewinnen zu können. Er hofft auf eine Bewertung seines Unternehmens mit mehr als einer Milliarde Dollar und gibt zu, dass der Auftritt in Las Vegas nicht zuletzt dem Ziel diente, Interesse unter amerikanischen Investoren zu wecken. Chinesisch war an der Show jedenfalls nicht sehr viel. Sie wurde fast komplett von Breitfeld und anderen deutschen Kollegen aus dem Management bestritten.

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