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Ex-Automanager angeklagt : Ghosn wirft Staatsanwaltschaft illegale Ermittlungen vor

Junichiro Hironaka (m) and Hiroshi Kawatsu (r), Anwälte des ehemaligen Automanagers Carlos Ghosn, bei einer Pressekonferenz nach einer Gerichtsanhörung in Tokio am 24. Oktober 2019. Bild: AFP

Der ehemalige Chef von Renault, Nissan und Mitsubishi Carlos Ghosn wird unter anderem wegen Veruntreuung in Tokio angeklagt. Seine Verteidigung fordert nun die Einstellung des Verfahrens - und wittert eine Verschwörung.

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          Anfang April klagte der geschasste ehemalige Chef der Autobauerallianz von Renault, Nissan Motor und Mitsubishi Motors, Carlos Ghosn, über Verrat. Seine Festnahme und die Anklagen gegen ihn seien das Ergebnis einer Verschwörung, sagte Ghosn in einer aufgezeichneten Filmaufnahme vor Journalisten, während er selbst schon wieder im Gefängnis saß. Als Motiv beschrieb er die Angst einiger Manager von Nissan, dass der japanische Autobauer in einer noch stärkeren Bindung oder Fusion mit Renault seine Selbständigkeit verlieren könne. Namen und Details nannte Ghosn nicht, und sein Vorwurf blieb so mit wenig Substanz im Raum stehen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In einer Einlassung an das Bezirksgericht in Tokio haben die Anwälte von Ghosn die Vorwürfe nun erstmals näher spezifiziert und greifen die Staatsanwaltschaft als Teil der vermuteten Verschwörung frontal an. Die strafrechtliche Verfolgung des Automanagers sei nicht verfassungsgemäß, illegal und ungültig, heißt es in den zwei Eingaben, die die F.A.Z. in einer englischen Fassung einsehen konnte. Ghosn und seine Anwälte werfen der Staatsanwaltschaft vor, sich mit Nissan und dem japanischen Wirtschafts-, Handels- und Industrieministerium (Meti) gegen ihn verschworen zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe illegale Methoden verwendet, um Vorwürfe gegen Ghosn erheben zu können. Die Verteidigung verlangt deshalb, dass das Verfahren noch vor der für das kommende Frühjahr erwarteten Eröffnung eingestellt wird.

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