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EVG-Forderung : Neue Arbeitszeiten statt Bahnstreiks?

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Bahn-Tarifgespräche: Wohin geht die Reise? Bild: dpa

Schon lange gab es keinen Bahnstreik mehr. Jetzt bereiten sich die Bahn und ihre beiden Gewerkschaften auf neue Tarifauseinandersetzungen vor. Die EVG-Forderung ist nun bekannt. Warum es kniffelig werden könnte.

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          Nach 15 Monaten ohne Arbeitskampf und Großkonflikt bereiten sich die Deutsche Bahn und ihre beiden Gewerkschaften auf neue Tarifauseinandersetzungen vor: Nach der Lokführergewerkschaft GDL hat an diesem Mittwoch auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ihre Forderungen beschlossen. Sie fordert in den anstehenden Bahn-Tarifverhandlungen bis zu 7 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten. Das ergibt sich aus einem Beschluss, den die Gewerkschaft am Mittwoch in Fulda fasste. Er sieht eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent vor. Darüber hinaus sollen die Mitglieder jeweils für sich entscheiden können, ob sie sechs Tage mehr Urlaub, eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit oder weitere 2,5 Prozent mehr Geld wollen.

          „Eine solche Wahlmöglichkeit hat es so noch nie gegeben. Damit schreiben wir Tarifgeschichte“, sagte die EVG-Verhandlungsführerin Regine Rusch-Ziemba. „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden selbst entscheiden können, ob sie mehr Geld, weniger Arbeit oder mehr Urlaub wollen.“

          Auch Weiterbildung und Altersvorsorge sind Themen

          Die Gewerkschaft hatte zuvor die Mitglieder befragt. Es habe dabei jedoch kein eindeutiges Meinungsbild für eine allgemeine Forderung gegeben. Themen der Tarifrunde sollen auch Weiterbildung und Altersvorsorge sein.

          Der Auftakt der Gespräche ist für den 17. Oktober in Frankfurt geplant. Eine Woche zuvor beginnt in Berlin die Tarifrunde mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Verhandelt wird insgesamt für rund 150.000 Beschäftigte der Bahn in Deutschland.

          Knifflig wird es schon deshalb, weil beide Gewerkschaften getrennte Gespräche mit dem Arbeitgeber führen; ihre erbitterte Konkurrenz untereinander lässt eine gemeinsame Lösungssuche nicht zu. Am Ende aber braucht die Bahn gleichartige Tarifergebnisse, damit ein reibungsarmer, möglichst pünktlicher Bahnbetrieb gelingen kann. Käme es etwa zu unterschiedlichen Arbeitszeitregelungen für Zugbegleiter, je nach Gewerkschaftzugehörigkeit, würde das noch schwerer.

          EVG und Bahn verhandeln über „Arbeit 4.0“

          Davon unabhängig verhandelt die EVG schon seit Juli mit der Bahn über ein Projekt mit Pioniercharakter - und in dem es auch um strategische Fragen in Sachen Arbeitszeit geht: Durch einen neuartigen Tarifvertrag „Arbeit 4.0“ wollen beide erstmals einen Rahmen für jene Entwicklungen abstecken, die mit der Digitalisierung zu tun haben. Zum Beispiel entstehen für Verwaltungsmitarbeiter neue Möglichkeiten, Aufgaben wahlweise im Büro oder von zu Hause aus zu erledigen. Auch Rufbereitschaften lassen sich anders organisieren.

          Derzeit sichten gemeinsame Arbeitsgruppen, welche Anwendungsfälle zu bedenken sind, welche Tarifregelungen es schon gibt und wie diese zu den Veränderungen passen. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Frage, wie sich Berufsbilder und Tätigkeiten durch den digitalen Wandel ändern, welche Folgen das für Arbeits- und Betriebsabläufe hat - und wie die Tarifparteien ein gemeinsames Verständnis dieses Wandels finden, bevor es darüber im Alltag zu Konflikten kommt.

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