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Europas Rüstungspolitik : Kampfjetsystem droht Verzug

Bild: EPA

Die Verhandlungen zum größten Rüstungsprojekt Europas lahmen. Frankreich und die Industrie drängen wegen des Wahlkalenders. Doch die deutsche Politik will sich nicht unter Druck setzen lassen.

          5 Min.

          Es ist das größte Rüstungsprojekt Europas. Nicht nur Kampfflugzeuge gehören dazu, sondern auch Drohnen-Schwärme, Satelliten, Bodenstationen, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz, Betankungsflugzeuge und die nächste Generation des fliegenden Radarsystems Awacs. Eines der Einsatzszenarien besteht etwa darin, dass manche Drohnen in der Nähe eines Kampfjets fliegen und sich durch Radartäuschung bewusst abschießen lassen, damit die feindliche Luftabwehr auf diesem Weg ihren Standort preisgibt und dann vom Flugzeug bekämpft werden kann. Das Projekt namens Future Combat Air System (FCAS) „führt alle luftmilitärischen Elemente der europäischen Streitkräfte zusammen. Das ist das Schöne und Motivierende an dem Projekt“, schwärmt Bruno Fichefeux, der FCAS-Leiter im Airbus-Konzern, einem der Hauptbeteiligten, die seit drei Jahren an dem System arbeiten. Im Juli 2017 haben Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Emmanuel Macron das Programm auf den Weg gebracht, im Jahr 2040 soll es einsatzfähig sein und Kampfflieger wie Eurofighter und Rafale ablösen. Das Startdatum scheint noch weit weg zu sein, doch angesichts der technologischen Herausforderungen gilt es, keine Zeit zu verlieren. „Wir bauen ein System auf der Basis der Technologie von morgen und übermorgen. Daher ist das eher eine sehr knapp bemessene Frist. Wir müssen die Meilensteine rechtzeitig erreichen“, fordert Fichefeux.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Beim nächsten Meilenstein scheint sich der Fortschritt bereits deutlich zu verlangsamen. Das beunruhigt vor allem die französische Seite auf Ebene von Regierung und Industrie, wie in Paris zu hören ist. Differenzen gibt es etwa bei der Zuordnung des Knowhows, den sogenannten intellektuellen Eigentumsrechten. Denn jede der beteiligten Nationen Deutschland, Frankreich und Spanien und ihre entsprechenden Unternehmen wollen sicherstellen, dass sie das System in Zukunft für ihre Bedürfnisse in vollem Umfang nutzen und durch Updates immer wieder modernisieren können. Sonst stießen sie, wie es beim Kauf amerikanischer Kampfjets der Fall wäre, auf eine technologische Black Box, welche die nationale Souveränität beschränkt. „Wie immer in Verhandlungen gibt es unterschiedliche Meinungen“, kommentiert Airbus-Mann Fichefeux.

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