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Future Combat Air Systems : Europas künftiges Kampfflugzeug nimmt Formen an

Ein Modell des künftigen europäischen Kampfjets wird in Le Bourget enthüllt. Bild: dpa

Verteidigungsministerin von der Leyen hat in Frankreich die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben unterzeichnet. Zuvor war ein erstes Modell des Kampfflugzeugs enthüllt worden – und Spanien offiziell eingestiegen.

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          Die grüne Plane ist abgezogen, doch das Demonstrationsmodell verrät nicht viel mehr als die Umrisse unter der Hülle. Der französische Flugzeug-Hersteller Dassault enthüllte am Montag auf der Airshow von Le Bourget ein grobes Muster für das künftige europäische Kampfflugzeug. Es ist ein graues Ding aus Komposit-Kunststoffen, das nur in groben Zügen an einen Düsenjet erinnert. Nur die Größe dürfte dem künftigen Original nahekommen. Mit einer langen Nase und kurzen, weit zurückgezogenen Flügeln ist nicht einmal zu erraten, ob es ein Zweisitzer oder ein Einsitzer wird. „Wahrscheinlich wird es ein Zweisitzer, weil die Aufgaben sehr komplex werden“, verrät der Dassault-Vorstandsvorsitzende Eric Trappier, der neben dem Modell zusammen mit dem Airbus-Verteidigungschef Dirk Hoke den Journalisten Auskunft gab.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Dassault und Airbus wollen dem Publikum beweisen, dass sie konkrete Fortschritte erzielen. In der Tat schreitet das umfassende Programm, das von 2040 an die Kampfflieger Rafale und Eurofighter ersetzen soll, in großen Schritten voran. Erst im vergangenen Sommer haben die Regierungen in Berlin und Paris die Kooperation eingeleitet. Jetzt wurde in Le Bourget in Anwesenheit des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der drei Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen (Deutschland), Florence Parly (Frankreich) und Margarita Robles (Spanien) eine weitere Etappe unterzeichnet.

          Zum einen ist damit Spanien als dritte Nation dem Projekt beigetreten, zum anderen beginnt nun eine bis Mitte 2021 laufende „Demonstrator-Phase“, die zur Entwicklung von Demonstratoren und Technologien für das Kampfflugzeug, die geplanten Drohnenschwärme und für die vorgesehene Cloud führen soll. Bis 2026 sollen die Demonstratoren einsatzfähig sein. Hauptauftragnehmer ist Airbus, der für das Gesamtsystem verantwortlich zeichnet, sowie der Dassault-Konzern, der sich auf das Kampfflugzeug konzentriert. Mit im Boot sind der Raketenhersteller MBDA, der französische Elektronik-Anbieter Thales sowie die Triebwerksspezialisten MTU (Deutschland) und Safran (Frankreich).

          Rheinmetall drängt auf den Einstieg

          Die Beteiligten wollen mit dem Future Combat Air Systems (FCAS) keine Zeit verlieren, denn die Konkurrenz schläft nicht. In Europa sind heute rund zwanzig verschiedene Kampfflugzeuge im Einsatz, darunter Eurofighter, Typhoon, Tornado, Mirage, Rafale, Gripen, MIG, Sukhoi sowie die amerikanischen Modelle F-16, F-18 und F-35. Vor allem von der noch jungen F-35 – dem bis heute teuersten Kampfflieger der Welt – hat sein amerikanischer Hersteller Lockheed Martin zusammen mit der amerikanischen Regierung schon sieben europäische Nationen überzeugt: Belgien, Dänemark, Italien, Niederlande, Norwegen, Großbritannien und zuletzt auch Polen setzen auf die F-35. Der deutsch-französisch-spanische FCAS ist zwar erst für 2040 vorgesehen, doch weil Kampflugzeug-Programme mehrere Jahrzehnte laufen, steht der erste Konkurrent also schon in den Startlöchern.

          Doch die FCAS-Verantwortlichen betonen, dass ihr Angebot neu sein werde: Nicht nur ein Kampfflugzeug, sondern ein ganzes System mit Drohnenschwärmen, die in der Luft getestet wurden, sowie mit umfangreicher Daten- und Satellitenunterstützung. „Das wichtigste europäische Kampfflugzeugsystem wird sich als konsequenter Schritt zur Sicherung der Souveränität Europas erweisen“, sagte Dassault-Chef Trappier.

          Allerdings sind noch lange nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt. Die strikten Exportkontrollen der Bundesregierung sind ein Stolperstein. Trappier sagte, man werde das FCAS Nationen wie Saudi-Arabien und Qatar anbieten. Die Bundesregierung dagegen hat Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien verboten. Von der Leyen plädierte für europäische Exportregeln. „Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Standpunkt“, sagte sie mit Blick auf das Einführungsjahr 2040. Die Industriellen plädieren indes für eine rasche Verständigung auf Ebene der drei Teilnehmernationen. „Europäische Regeln zu finden ist kompliziert und dauert lange. Wir brauchen eine Einigung bis Mitte 2020“, sagte der Airbus-Manager Hoke, und Dassault-Chef Trappier stimmte zu.

          Manche Politiker in Deutschland ziehen auch eine Verbindung zwischen dem deutsch-französischen Panzerprojekt der Unternehmen Nexter (Frankreich) und KMW (Deutschland). Der deutsche Anbieter Rheinmetall drängt seit geraumer Zeit auf den Einstieg – was nach Befürchtungen mancher Beobachter das Gesamtsystem empfindlich stören könnte.

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