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Europas Geldhäuser : Banken-Aufpasser verraten Details zum Stresstest

  • Aktualisiert am

Wie gut geht es Europas Banken? Bild: dpa

Wie gut geht es den europäischen Finanzhäusern? Eine mit Spannung erwartete riesige Untersuchung soll Klarheit bringen. Nun offenbaren die Prüfer erste Details.

          Europas Großbanken stehen vor ihrem bisher strengsten Fitness-Check: Die Finanzaufseher haben nun einige Kriterien dafür verraten, wie sie die Geldhäuser prüfen werden. Die Geldhäuser müssen nachweisen, dass sie zum Beispiel im Falle eines Wirtschaftseinbruchs oder einer (abermaligen) Häusermarktkrise genügend große Puffer haben. Konkret soll die sogenannte harte Eigenkapitalquote auch „unter Stress“ mindestens 5,5 Prozent betragen, teilte die EU-Bankenaufsicht EBA (European Banking Authority) in London mit. Während des letzten Tests im Jahr 2011 verlangten sie fünf Prozent.

          Ökonomen schätzen, dass infolge der Tests Kapitallücken im Volumen vieler Milliarden Euro zutage treten könnten. Der niederländische Bankenfachmann Dirk Schoenmaker hat in einer aktuellen OECD-Studie beispielsweise je nach Test-Kriterien und mittels einer eigenen Methodologie Engpässe zwischen 84 und mehr als 300 Milliarden Euro ermittelt. Interessant an seiner Analyse ist, dass sie besonders große Lücken bei der französischen Crédit Agricole, der Deutschen Bank und der Commerzbank ergibt.

          EZB will strenger testen als EBA

          Insgesamt müssen sich im Frühjahr und Sommer dieses Jahres 124 Banken aus 22 EU-Ländern der Prüfung stellen, 104 davon aus Mitgliedsländern der europäischen Währungsunion, 23 aus Deutschland - 2011 wurden 91 Geldhäuser getestet.

          Die genauen zwei Stress-Szenarien sollen spätestens im Mai bekannt gegeben werden. Simuliert werden sollen auf jeden Fall ein Konjunkturabschwung, Kreditausfälle, ein Verfall der Preise von Staatsanleihen, Refinanzierungs-Probleme und Spannungen an den Verbriefungsmärkten. Nationale Aufseher können dieses Mal im Gegensatz zu früheren Tests zusätzliche Stress-Kriterien für ihre jeweiligen Banken festlegen. Dem Vernehmen nach strebt die Europäische Zentralbank derzeit mit 6 Prozent eine strengere Kapitalvorgabe an als die EBA.

          Banker erwarten, dass einige Banken die Prüfungen nicht bestehen werden, möglicherweise auch in Deutschland. Die Aufseher hoffen, dass das Vertrauen der Investoren in die Glaubwürdigkeit der Tests höher ist als während der letzte Male, als auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in den Szenarien ein Auseinanderbrechen der Währungsunion ausgeschlossen worden war. Der Test soll helfen, dass das Misstrauen auch zwischen den Instituten kleiner wird.

          Was ist mit Staatsanleihe-Beständen?

          Einige zentrale Fragen, auf die die Banken seit Wochen gespannt warten, bleiben allerdings vorerst unbeantwortet. Zum Beispiel, wie die mitunter riesigen Staatsanleihen-Bestände in den Bankbilanzen behandelt werden. Klar ist, dass solche Anleihen, die von den Banken bis zur Fälligkeit gehalten werden, entsprechend der geltenden Rechtslage als risikofrei eingestuft werden können.

          Für die übrigen Staatsanleihen-Bestände sollen die nationalen Aufseher einen Ermessens-Spielraum haben. Allerdings gilt als Richtschnur, dass Bestände im Handelsbuch zu Marktpreisen bewertet werden sollen.

          Immer härtere Anforderungen

          Offen ist außerdem, wann und wie eventuelle Kapitallöcher von den Geldhäusern geschlossen werden müssen, bevor die EZB im Herbst die Kontrolle über 128 Institute in den Euroländern übernimmt. Banken, sie sich stark bei der Notenbank refinanzieren, müssen damit rechnen, dass dies in dem Test berücksichtigt wird - auch in diesem Fall ist aber noch nicht klar, wie das geschehen wird.

          Als sicher gilt dagegen, dass sich die Test-Szenarien über eine Zeit von drei Jahren bis Ende 2016 erstrecken werden - beginnend mit dem Stand der Bankbilanzen von Ende 2013. Die Qualität des Kernkapitals muss  entsprechend des neuen Regelwerks „Basel III“ von Jahr zu Jahr härteren Anforderungen genügen.

          In Deutschland wird erwartet, dass die Finanzaufsicht Bafin einige Institute zudem wegen des Engagements in der schwächelnden Schifffahrt genauer unter die Lupe nimmt. In Italien könnten eventuell Staatsanleihen-Bestände genauer betrachtet werden, in Spanien das Hypothekengeschäft.

          EBA und EZB organisieren den Stresstest innerhalb der Währungsunion gemeinsam. Die Euro-Notenbank durchleuchtet schon seit Monaten mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Bilanzen der 128 größten Banken. Ergebnisse aller drei Teile der Fitness-Checks - Risikoanalyse, Bilanzprüfung und Stresstest - sollen im Oktober publik gemacht werden, also auch mögliche Kapitallöcher.

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