https://www.faz.net/-gqe-9vz8k

Fabrik eingeweiht : Europas Weg in die Batterieunabhängigkeit

Emmanuel Macron in Nersac Bild: EPA

Europa will in der Batterieproduktion eigenständiger werden – mit Milliardenhilfen. Jetzt hat Präsident Macron ein Werk in Frankreich eingeweiht. Eine Fabrik in Kaiserslautern folgt und bringt 2000 Arbeitsplätze.

          3 Min.

          Frankreich will beim europäischen Batterieprojekt Zeichen setzen. Präsident Emmanuel Macron hat zusammen mit der Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Donnerstag eine Pilotfabrik des französischen Batterieherstellers Saft und des Autokonstrukteurs PSA Peugeot Citroën eingeweiht. Sie soll den Grundstein für die europäische Souveränität in der Mobilität der Zukunft legen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es handelt sich um einen vergleichsweise kleinen Anfang, der aber ausgebaut werden soll: In Nersac anderthalb Autostunden nordöstlich von Bordeaux werden auf einem Gelände von Saft 200 Millionen Euro investiert, die zur Schaffung von rund 200 Arbeitsplätzen führen. Es geht um die Erforschung und Produktion hochwertiger Lithium-Ionen-Batterien. In einem späteren Schritt sollen in Nordfrankreich (wahrscheinlich in Douvrin nahe Lens) und in Deutschland (Kaiserslautern) größere Fabriken entstehen. Sie sollen Europas Autohersteller davon überzeugen, die Batterien für die Elektroautos nicht mehr in China oder Südkorea einzukaufen, sondern in Europa. „Wir setzen darauf, die Batterien schnell und im großen Maßstab zu bauen. Unser Ziel lautet, in der Produktion von Elektroautos autonom zu werden“, kündigte Macron an.

          Die EU-Kommission hat im vergangenen Dezember grünes Licht für staatliche Hilfen gegeben.Insgesamt 3,2 Milliarden Euro dürfen verschiedene Projekte erhalten, an denen sich 17 Unternehmen und Forschungsinstitute beteiligen. „Europäische Hersteller stehen heute nur für 1 Prozent der weltweiten Batterieproduktion. Dabei macht die Batterie bis zu 40 Prozent des Wertes eines Elektroautos aus. Europa darf sich nicht von Asien abhängig machen“, sagt Clement Le Roy, Mobilitätsexperte der französischen Beratungsgesellschaft Wavestone. Die Regierungen hoffen auf Investitionen der Privatwirtschaft von 5 Milliarden Euro. Die Liste der 17 Teilnehmer reicht von BMW über BASF und Solvay bis zu mittelständischen Unternehmen. Deutschland darf im Rahmen der Vereinbarung 1,25 Milliarden Euro vergeben, Frankreich 960 Millionen Euro. Zudem sind Italien, Polen, Belgien, Schweden und Finnland mit im Boot.

          Am Standort Nersac des Batterieherstellers Saft, der 2007 die Produktion begann, arbeiten heute 170 Personen. Für die Herstellung der neuen Batterien sollen 150 weitere Arbeitsplätze entstehen, zudem 50 Forschungsstellen in Bordeaux. Die Produktion beginne 2021, teilen die Unternehmen mit.

          Verschiedene Batterieprojekte sind in Europa derzeit in Planung. Der VW-Konzern arbeitet an einer eigenen Batteriezell-Initiative und an einem Projekt in Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt. Wie ein VW-Sprecher bestätigte, will der deutsche Konzern aber keine Fördergelder aus den EU-Töpfen entgegennehmen. In der Nähe von Berlin hat auch Tesla den Bau einer Batterie- und Elektroauto-Fabrik angekündigt, die im Jahr 150.000 Fahrzeuge herstellen soll. Angeblich wollen die Amerikaner bis zu 4 Milliarden Euro dort investieren. „Wenn man das mit den 3 bis 4 europäischen Projekten vergleicht, die zusammen 5 bis 6 Milliarden Euro an Investitionen angekündigt haben, dann sieht man, dass der europäische Einsatz noch etwas begrenzt ist“, kritisiert Autofachmann Le Roy.

          „In Kaiserslautern bauen wir Deutschlands größtes Werk für Batteriezellen“, sagt Opel-Chef Michael Lohscheller.

          Noch ist nicht alles unter Dach und Fach. Selbst der PSA-Verwaltungsrat hat auf seiner letzten Sitzung nicht das endgültige grüne Licht gegeben, sondern lässt noch prüfen. „Unter anderem muss klar sein, ob die Wettbewerbsbehörden zustimmen“, sagt ein PSA-Sprecher. Manche Industrieexperten stellen auch die Frage, ob das viele Geld nicht in andere Komponenten investiert werden sollte, weil Batterien heute schon verfügbar seien, wenn auch nur als Importware. Dennoch betont PSA, dass es in das Projekt mit hoher Wahrscheinlichkeit einsteigen werde. Der Chef der deutschen PSA-Tochtergesellschaft Opel, Michael Lohscheller ließ am Donnerstag auf jeden Fall mitteilen: „In Kaiserslautern bauen wir Deutschlands größtes Werk für Batteriezellen. Wir investieren gemeinsam mit unserem Partner Saft einen Milliardenbetrag und schaffen 2000 Arbeitsplätze. Wir stellen die Weichen für die Zukunft.“

          Die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von PSA mit Total und dessen Tochtergesellschaft Saft zu Anteilen von jeweils 50 Prozent ist so gut wie beschlossen. Bis 2030 soll das Unternehmen eine Million Batterien produzieren, was 10 bis 15 Prozent des Weltmarktes entspreche, sagte der Total-Vorstandsvorsitzende Patrick Pouyanné in Nersac. Von 2023 an wolle man Batterien bauen, die 20 Prozent länger halten als die heutigen Modelle und doppelt so schnell aufgeladen werden können. Die später in Nordfrankreich geplante Produktion solle eines Tages Batterien mit einer Leistung von insgesamt 24 Gigawattstunden herstellen, berichtete Total. Zusammen mit der geplanten Produktion in Deutschland würden somit 48 Gigawattstunden erreicht. Nach Angaben von Total schätzen Experten den Batteriebedarf auf dem europäischen Markt für das Jahr 2030 auf rund 400 Gigawattstunden, was rund 7 Millionen Elektroautos entspreche.

          Weitere Themen

          Angst vor dem Zusammenbruch des Systems

          Corona-Krise in Spanien : Angst vor dem Zusammenbruch des Systems

          In Spanien dürfen nur noch Menschen tätig sein, deren Arbeit überlebenswichtig ist. Das soll den Kollaps des Gesundheitssystems verhindern. Und immer häufiger werden in den Kliniken massive Versäumnisse sichtbar.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.