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Zukunft der Mobilität : Europas Autobranche steht an einem Wendepunkt

  • -Aktualisiert am

Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus – und kann Europa mithalten? Bild: obs

Das Geschäftsmodell der Autohersteller wandelt sich rasant. Was muss getan werden, damit europäische Unternehmen auch in Zukunft Erfolgsgeschichten schreiben?

          Die europäische Autobranche hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einige Erfolge verzeichnet. Seit dem Jahr 1990 hat sie für neuentwickelte Autos zum Beispiel den Ausstoß von Stickoxiden, deren Konzentration in einer Reihe deutscher Städte derzeit für Diesel-Fahrverbote sorgt, um 90 Prozent gesenkt. Die Zahl der gefährlichen Unfälle sank vom Jahr 2005 bis 2018 um 42 Prozent, weil die Hersteller mehr und mehr Assistenzsysteme in die Fahrzeuge eingebaut haben. Und der Beitrag der Branche zum Bruttoinlandsprodukt in Westeuropa hat sich mehr als verdoppelt.

          Allerdings ist nach Ansicht der Unternehmensberatung McKinsey derzeit unklar, ob Autohersteller und Zulieferer in Europa diesem Wachstumspfad in Zukunft weiter folgen können. „Die europäische Autoindustrie hat in vielerlei Hinsicht eine erfolgreiche Periode von mehreren Jahrzehnten hinter sich“, sagt McKinsey-Partner Andreas Cornet, der den Automobilsektor der Unternehmensberatung leitet. „Doch jetzt befindet sich die Branche an einem entscheidenden Wendepunkt für die Fortsetzung des Erfolgs.“

          Auslöser sind die großen Trends, die die Branche seit mehreren Jahren beschäftigen: die Elektrifizierung des Antriebs, die Vernetzung der Fahrzeuge mit dem Internet, neue Geschäftsmodelle wie Carsharing oder Mitfahrdienste und schließlich das autonome Fahren. Nach Ansicht der Berater ist der Wandel besonders tiefgehend, weil sich diese vier Entwicklungen nun gegenseitig verstärken, wie sie in der Analyse „Race 2050 – eine Vision für die europäische Autoindustrie“ konstatieren, die zur Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas erscheint.

          Nicht nur die Autobranche muss handeln

          „Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass die Kunden Produkte oder Dienstleistungen einfordern, die klassischerweise nicht das bekannte Terrain der Autobranche sind“, sagt Cornet. „Dazu kommt schließlich der zusätzliche Wettbewerb durch branchenfremde Unternehmen.“ Gemeint sind zum Beispiel die Versuche des amerikanischen Technikkonzerns Alphabet, mit seiner Tochtergesellschaft Waymo die Entwicklung automatisiert fahrender Autos voranzutreiben.

          McKinsey-Berater Andreas Tschiesner sieht daher, dass sich das Geschäftsmodell der Autobranche derzeit in großen Schritten wandelt. „Es geht nicht mehr allein darum, ein Auto zu verkaufen, sondern Mobilität als Dienstleistung anzubieten.“ Dazu müsse das Auto aber in andere Infrastrukturen eingebunden werden. „Ein E-Fahrzeug muss zum Beispiel mit den Angeboten der Ladeinfrastrukturbetreiber verbunden werden. Damit wandelt sich die Dynamik der Autobranche und angrenzender Industrien“, sagt Tschiesner.

          Deshalb sehen die Fachleute auch nicht nur die Autobranche in der Pflicht, wenn es um die Fortsetzung der eigenen Erfolge geht. „Um ein erfolgreiches Fortbestehen der Autobranche sicherzustellen, muss nicht nur die Branche selbst handeln, sondern zum Beispiel auch der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden, damit etwa neue Kooperationen leichter möglich werden – beispielsweise bei Daten, Algorithmen und Software für das autonome Fahren“, sagt Cornet. „Auch die Entwicklungen in anderen Branchen, etwa in der Telekommunikations- und Energieversorgungsindustrie, müssen Hand in Hand gehen.“

          Cornets Kollege Tschiesner fehlt derweil ein konzertiertes europäisches Vorgehen: „Wir vermissen zum Beispiel in Sachen Ladeinfrastruktur einen klaren europäischen Gestaltungswillen“, sagt er. „Das sieht in China anders aus, wo Ladesäulen Staatsaufgabe sind. Daher wäre es aus unserer Sicht zum Beispiel auch sinnvoll, den Wandel der Mobilität in einem eigenen EU-Kommissariat zu bündeln.“ Bisher seien jedoch mobilitätsbezogene Themen und Aufgaben über mehrere Ressorts verteilt. „Durch eine Bündelung könnten die Rahmenbedingungen für die Autobranche kohärenter, zügiger und konsequenter gesetzt werden.“

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