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Gaspreisdebatte : Europäischer Blackout

  • -Aktualisiert am

Die steigenden Kosten für Gas bereiten vielen Menschen Sorgen. Bild: dpa

Die EU soll festlegen, bis zu welchem Preis Gas im Großhandel gekauft werden darf. Das fordert die Mehrheit der Mitgliedstaaten. Man muss kein Ökonom sein, um die Risiken dieses Vorhabens zu begreifen.

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          Während Deutschland über die Details der Gaspreisbremse stritt, hat auf EU-Ebene die Diskussion über viel weitergehende Eingriffe stetig Fahrt aufgenommen. Die Mehrheit der EU-Staaten fordert einen Preisdeckel, der anders als die deutsche Bremse nicht die Kosten für die Verbraucher senken soll, sondern den Preis an der Quelle, also im Großhandel.

          Staaten wie Italien, Polen oder Spanien glauben tatsächlich, sie könnten den Lieferanten diktieren, zu welchem Preis sie nach Europa liefern. Es sei nicht einzusehen, dass die EU zwei- bis dreimal mehr als andere Teile der Welt zahle, betonte der griechische Minister Kostas Skrekas stellvertretend für diese Staaten beim Energieministertreffen.

          Dabei muss man kein Ökonom sei, um zu verstehen, dass es gute Gründe für die hohen Preise gibt. Nach dem Ausfall der russischen Lieferungen ist das Gas nirgendwo so knapp wie in der EU. Die Nachfrage ist schlicht viel höher als das Angebot. Um den Preis zu senken, kann die EU nur Gas sparen, andere Energiequellen ausbauen oder ihre Einkaufspolitik besser koordinieren.

          Wenn sie hingegen keine hohen Aufschläge mehr zahlt, werden die Lieferanten ihr Gas einfach anderswo verkaufen. Schiffe lassen sich umleiten. Abnehmer gibt es genug auf der Welt. Das könnte insbesondere in Deutschland zu einem Gasmangel führen, das wie die Niederlande zu den wenigen Gegnern des Preisdeckel gehört.

          Hinzu kommt: Schon die Debatte über den Preisdeckel hat zur Folge, dass die Lieferanten Risikoaufschläge erheben. Sie treibt die Preise also sogar. Deshalb war es auch falsch, dass die EU-Kommission den Widerstand gegen den Preisdeckel aufgegeben hat. Ihr Vorschlag für eine Art „Preisdeckel light“ zieht zwar eine extrem hohe Schwelle von 275 Euro je Megawattstunde ein. Das ist nahe an den Rekordpreisen von mehr als 300 Euro im August. Auch ist das an so viele Bedingungen geknüpft, dass der Deckel wohl nie aktiviert würde.

          Aber die Kommission hat die Debatte damit eher befeuert – und Schwellen lassen sich schnell senken, Bedingungen aufweichen. Berlin muss alles daran setzen, das zu verhindern. Sonst könnte es düster in Europa werden – und kalt in den Häusern.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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