Europäische Währungsunion :
Griechische Legenden

Tobias Piller
Ein Kommentar von Tobias Piller
Lesezeit: 3 Min.
Was geschieht mit Griechenland, was mit Europa?
Das erpresserische Bild vom Dominospiel, in dem Griechenland als erster Stein die ganze Währungsunion zum Einsturz bringt, hat seine Gültigkeit verloren. Wenn Griechenland fällt, dann alleine. Für die Griechen könnte diese Wahrheit bitter werden.

Vielerlei Legenden kursieren derzeit in Griechenland rund um die Wirtschaft, um Europa und den Euro. Dieser Stoff eignet sich aber nur für nationale Gefühlswallungen oder den Wahlkampf, nicht für sichere Zukunftsstrategien.

Seit 2003 im Primärdefizit

Die älteste Legende der Griechenland-Krise, die nicht totzukriegen ist, betrifft gleich die ersten Tage. Wäre Bundeskanzlerin Angela Merkel sofort mit einem großen Scheckbuch nach Athen geflogen, hätte sich die Griechenland-Krise gleich von vorneherein vermeiden lassen, so der verbreitete Glaube. Natürlich gibt es Situationen, in denen Gerüchte und Spekulationen Unternehmen oder ganze Nationen an den Rand des Abgrundes bringen. Das hätte etwa gelten können für eine Situation, in der immer größere Risikozuschläge für die Zinsen der Staatstitel die Haushaltskalkulationen zunichtegemacht hätten. Aber Voraussetzung für eine schnelle Rettung wäre gewesen, dass Griechenland zumindest ein paar Euro für die Zinsen der Staatstitel in den Haushalt eingestellt hätte.

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