https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europaeische-union-braucht-der-markt-den-euro-11508261.html

Europäische Union : Braucht der Markt den Euro?

  • -Aktualisiert am

Freie Fahrt ist wichtiger als die einheitliche Währung: Containerfrachter in Bremerhaven Bild: Denzel, Jesco

Der Hauptpfeiler der europäischen Integration, der EU-Binnenmarkt, hängt nicht vom Euro ab. Die Vorteile der intensiven Marktverflechtungen sind auch ohne Euro nutzbar. Stabilität und Wachstum bei den Binnenmarkt-Partnern sind wichtiger als eine einheitliche Währung.

          10 Min.

          Der europäische Binnenmarkt ist ein einzigartiges Erfolgsprojekt wirtschaftlicher Integration und ein beeindruckendes Resultat der Europapolitik der Nachkriegszeit. Die Verwirklichung der „vier Grundfreiheiten“ in der Europäischen Union - unbeschränkter Handel mit Waren und Dienstleistungen, Kapitalverkehrsfreiheit inklusive Niederlassungsfreiheit sowie Freizügigkeit der Arbeitnehmer - für einen Wirtschaftsraum von mittlerweile 27 souveränen Nationalstaaten ist beispiellos. In der aktuellen Diskussion um die Euro-Krise wird nun vielfach vorgetragen, dass Austritte einzelner Länder aus der Eurozone oder gar ein Scheitern der Währungsunion insgesamt auch den EU-Binnenmarkt zerstören würden. Doch ist der europäische Binnenmarkt, die wichtigste Säule des europäischen Integrationsprozesses, wirklich gefährdet? Sind die Existenz und die Stabilität dieses gemeinsamen Marktes von der Existenz und der Stabilität des Euro abhängig? Um diese Frage beantworten zu können, ist ein Blick auf die Struktur des europäischen Integrationsprozesses notwendig.

          Die wirtschaftliche Integration, also das Zusammenwachsen von Wirtschaftsräumen, kann zum einen über Fortschritte im freien Austausch von Waren, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren erzielt werden. Zum anderen kann eine engere Verbindung der Volkswirtschaften aber auch über Fortschritte bei der Abstimmung, Harmonisierung und Vereinheitlichung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Maßnahmen erfolgen. Dementsprechend kann zwischen Formen der sogenannten Marktintegration einerseits und Formen der politischen oder institutionellen Integration andererseits unterschieden werden. Marktintegration bedeutet primär die Öffnung der nationalen Märkte gegenüber den Anbietern und Nachfragern der Partnerstaaten. Sie ist daher mit einer Liberalisierung und Deregulierung des Marktgeschehens verbunden, so dass die Entwicklung zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum über - freiwillige - Marktprozesse getrieben wird. Marktintegration ist von dem Grundgedanken geleitet, dass Integration vor allem durch den Abbau von Hindernissen bei allen grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Transaktionen erreicht werden solle, da durch den hiermit zunehmenden Wettbewerb effizienz- und wachstumsfördernde Prozesse ausgelöst würden.

          Marktintegration bedeutet damit eine „Integration durch Wettbewerb“. Ziel dieser Integrationsform ist letztlich eine effizientere internationale Arbeitsteilung, eine Ausdehnung der Absatzmärkte mit den damit verbundenen Massenproduktionsvorteilen, eine Förderung des technischen Fortschritts und der Produktivität sowie eine größere Produktvielfalt bei Waren und Dienstleistungen für die Verbraucher. Durch eine freie Mobilität von Arbeit und Kapital sollen zudem auch die Produktionsfaktoren dorthin wandern können, wo sie am effizientesten genutzt werden. Der EU-Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten repräsentiert die höchste Form dieser Marktintegration.

          Zusammenwachsen „von unten“

          Die Marktintegration führt über individuelle und freiwillige Entscheidungen der Marktteilnehmer zu wachsendem Handel zwischen den Partnerstaaten, zu zunehmender gegenseitiger Nutzung der Finanz-, Kapital- und Arbeitsmärkte und damit insgesamt zu einem Zusammenwachsen der Volkswirtschaften quasi „von unten“.

          Weitere Themen

          „Die Ukraine kann auf uns zählen“

          Polens Präsident Duda : „Die Ukraine kann auf uns zählen“

          Der russische Überfall auf die Ukraine wird die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der osteuropäischen Staaten intensivieren. Davon zeigten sich die Staatspräsidenten Polens, Lettlands und Estlands auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos überzeugt.

          Topmeldungen

          Dieses Bild wird bleiben: SGE-Trainer Glasner und Kapitän Sebastian Rhode können es noch nicht ganz fassen, aber gleich „überreichen“ sie den Europapokal an Peter Feldmann

          Frankfurter Oberbürgermeister : Die Stadt kann ihn mal

          Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann hat nicht nur den Europapokal der Eintracht abgeschleppt. Er hat vielmehr der ganzen Stadt zu verstehen gegeben, dass er sich um sie und deren Bürger nicht weiter schert. Die Abwahl muss jetzt kommen.
          Eine Schule wird zum Ort der Trauer: Mitschüler und Angehörige gedenken der 21 Menschen, darunter 19 Kinder, die an der Grundschule erschossen wurden.

          Über Amokläufer in Uvalde : „Mein Sohn war kein Monster“

          Nachdem ein 18 Jahre alter Mann 19 Kinder und zwei Lehrerinnen in Texas tötete, suchen die Ermittler immer noch nach einem Motiv. Sein Umfeld zeichnet das Bild eines aggressiven Einzelgängers.
          „Nur ein Ja ist ein Ja“: Gleichstellungsministerin Irene Montero spricht am Freitag in Madrid

          „Nur ein Ja ist ein Ja“ : Spanien verschärft Sexualstrafrecht

          Ein Entwurf der linken Minderheitsregierung stößt im Parlament auf große Zustimmung. Damit ist die Einwilligung der Frau ausschlaggebend für einen sexuellen Kontakt. Von den Konservativen kommt Kritik.
          Für Jürgen Klopp und den FC Liverpool geht es im Finale der Champions League gegen Real Madrid.

          Klopp zum Finale : „Wir spielen auch für die Ukraine“

          Jürgen Klopp will mit dem FC Liverpool die Champions League gewinnen. Warum er froh ist, dass das Finale in Paris stattfindet, wie er die Gerüchte um Sadio Mané bewertet und was er über den Rasen denkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement