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Europäische Schuldenstaaten : Risiko der Weltwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schuldenstaaten ist die Wurzel der Krise, Defizite und Schulden sind nur die Folge. Dennoch haben die betroffenen Länder Strukturreformen für mehr Wachstum noch gar nicht richtig angepackt.

          Die Konjunkturprognosen der Ökonomen halten für jedes Temperament etwas bereit. Pessimisten greifen bei der Weltbank zu, die vor einer Rezession im Euroraum und, bei Zuspitzung der Schuldenkrise, sogar vor dem Absturz der Weltwirtschaft warnt. Wer es ausgewogener mag, wird im Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung fündig, der für Deutschland nur eine kleine Wachstumsdelle voraussagt, obwohl die Wirtschaftskraft anderer großer Euroländer schrumpfen werde. Optimisten hoffen hingegen auf China, wo sich der Aufschwung zwar verlangsamt, aber bei einem erwarteten Wachstum von 8,5 Prozent in diesem Jahr von Stillstand nicht die Rede sein kann.

          Da zudem auch für die Vereinigten Staaten mit einem Wachstum von 2,5 Prozent gerechnet wird, muss man selbst bei einer Rezession in Teilen von Euroland nicht gleich die Lichter in hiesigen Fabriken ausknipsen. Solange die beiden wichtigsten Märkte, Amerika und China, weiter wachsen, mag die Lieferung der begehrten, wettbewerbsfähigen deutschen Maschinen- und Anlageprodukte in die ganze Welt zwar zurückgehen, aber nicht ausfallen.

          Einig sind sich jedoch alle, dass von Europas Staatsschuldenkrise das größte Risiko für die Weltwirtschaft ausgeht. Seit zwei Jahren kämpfen die Europäer mit immer neuen Geldspritzen, Krisenfonds und Liquiditätshilfen gegen die drohende Zahlungsunfähigkeit einiger weniger Mitglieder und den kräftigen Zinsanstieg für die meisten Länder der Währungsunion - mit bislang überschaubarem Erfolg. Ein Bankrott Griechenlands wurde zwar verhindert, aber jedermann weiß: Hellas wäre ohne die jedes Quartal fällige Milliardenüberweisung längst pleite. Zentralbankkredite und Liquiditätshilfen der EZB in Billionenhöhe verhindern den Zusammenbruch europäischer Banken und das Entstehen einer Kreditklemme für die produzierende Wirtschaft.

          Die Wurzel des Übels

          Aber auch damit wird letztlich nur Zeit gekauft, nicht mehr. Leider wurde diese Zeit bislang nur teilweise zur Sanierung der Staatsfinanzen genutzt. Strukturreformen für mehr Wachstum haben die Schuldenstaaten noch gar nicht richtig angepackt. Dabei ist die fehlende Wettbewerbsfähigkeit die Wurzel des Übels, Defizite und Schulden sind nur die Folge. Will Europa nicht länger das Risiko der Weltwirtschaft sein, muss es wettbewerbsstark werden. Nur dann kann Europa sein Gewicht in der Welt behalten.

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