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Europäische Finanzindustrie : Die Banken machen sich ganz klein

Wolken über Frankfurt: Die Banker wollten zu hoch hinaus Bild: Claus Setzer

Die Finanzindustrie schrumpft ihr Geschäft: Mehr als vier Billionen Euro verschwinden aus den Bilanzen der Banken. Wenn das mal gutgeht.

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          Die jüngste Schrumpfkur hat Commerzbank-Chef Martin Blessing am vergangenen Donnerstag verkündet. Der 48-Jährige will nicht nur die Gehälter seiner Vorstände einfrieren und einen Teil der Banker-Boni statt in Cash nur noch in Aktien auszahlen. Die Commerzbank soll vor allem eines werden: kleiner. Noch mal um Staatsgeld zu bitten, das hat Blessing abgelehnt („Ich geh da nicht noch mal hin“). Das ist der Preis.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Commerzbank schrumpft fortlaufend: Seit 2008 ist die Bilanzsumme der Bank von knapp 1,1 Billionen auf 700 Milliarden Euro gesunken. „Dieser Rückgang in nur drei Jahren entspricht der Bilanzsumme einer mittelgroßen Bank wie der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken“, sagt ein Bankmanager.

          Die Politiker sind es leid, andauernd Banken zu retten

          Die Commerzbank ist kein Einzelfall: Überall in Europa schrumpfen gerade Banken. Für eine Branche, in der lange Zeit alles immer nur größer, bombastischer und globaler werden musste, ist das ein Paradigmenwechsel. In den nächsten drei Jahren dürften allein die Banken im Euroraum ihre Bilanzen um bis zu 4,5 Billionen Euro verkleinern, schreiben Analysten der Schweizer Großbank UBS in einer Studie. Und der Nachrichtendienst Bloomberg hat zusammengerechnet, bereits jetzt seien von Europas Banken Beteiligungsverkäufe in Höhe von 950 Milliarden Euro annonciert.

          Die Schrumpfkur der Commerzbank seit 2008

          Die neue Liebe am Schrumpfen ist eine Folge der Finanzkrise: Der wichtigste Grund sind strengere Vorgaben von Politik und Bankenaufsicht. Die Politiker sind es leid, dass andauernd Banken gerettet werden müssen. Sie verlangen deshalb, dass Banken künftig einen größeren Sicherheitspuffer aufbauen müssen. Die Banken können wählen: Entweder besorgen sie sich mehr Eigenkapital. Also Geld, mit dem die Eigentümer notfalls für Ausfälle haften. Oder sie müssen auf Geschäft verzichten.

          Weil es aber gegenwärtig schwierig bis unmöglich für die Banken ist, an neues Eigenkapital zu kommen, wählen sie den Schrumpfpfad. Abschreckendes Beispiel ist die italienische Bank Unicredit: Sie versucht bis kommenden Freitag, Anleger für eine Kapitalerhöhung zu gewinnen. Dafür muss sie aber erhebliche Zugeständnisse beim Preis der neuen Aktien machen.

          Die Folgen berühren nicht nur Europa

          Schwächere Banken fürchten deshalb nicht ohne Grund, mit einer Kapitalerhöhung womöglich ganz zu scheitern. „Das ist der Grund, warum viele Banken im Augenblick lieber schrumpfen“, sagt Hans-Peter Burghof, Banken-Professor an der Universität Hohenheim.

          Das ist gewollt - aber nur zum Teil. Offenkundig gibt es so etwas wie ein „erwünschtes Schrumpfen“ - und ein „unerwünschtes“.

          Gegenüberstellung der Bilanzsummen Im dritten Quartal 2010 und 2011

          Viele Geschäfte der Banken sind Politikern schließlich suspekt. Müssen Banken hochriskante Wetten eingehen? Müssen sie immer neue Finanzinstrumente erfinden, die mit der sogenannten Realwirtschaft nichts mehr zu tun haben? So manches spekulative Geschäft sähen Politiker gern „weggeschrumpft“. Auf der anderen Seite will keiner, dass Banken den Unternehmen Kredite kürzen - und die Wirtschaft in eine Rezession stürzt.

          In der Vergangenheit waren die Bilanzen der Banken Europas aufgebläht, meinen viele Ökonomen. Und zwar nicht nur durch europäische Staatsanleihen, die fälschlicherweise als risikolos behandelt wurden. Sondern auch durch diverse Dollargeschäfte in Amerika, wie der Princeton-Ökonom Hyun Song Shin unlängst in einem aufsehenerregenden Beitrag feststellte. Wenn Europas Banken jetzt schrumpfen, berührten die Folgen deshalb nicht nur Europa - sondern auch die Vereinigten Staaten.

          „Wir sollten die Kreditklemme nicht herbeireden“

          Die spannende Frage jetzt: Wie viel „erwünschtes“ und wie viel „unerwünschtes“ Schrumpfen findet derzeit bei den Banken statt?

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