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F.A.S. Exklusiv : Europa fürchtet schädliche Zölle nach dem Brexit

Transporter warten am Handelshafen von Dover in Großbritannien. Bild: EPA

Bis Ende Dezember muss das umkämpfte Handelsabkommen mit den Briten stehen. Doch die Europäische Union rechnet mit teuren Zollschranken am Ärmelkanal – 180.000 deutsche Arbeitsplätze sind in Gefahr.

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          Die Karte zeigt Deutschland, unterteilt in seine Landkreise in unterschiedlichen Blautönen. Zwei Landkreise stechen heraus, weil sie braun markiert sind: Dingolfing-Landau in Bayern und Wolfsburg in Niedersachsen. „Das sind die Regionen, die von einem harten Brexit wirtschaftlich am stärksten betroffen wären“, sagt Oliver Holtemöller, stellvertretender Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). In Dingolfing steht die größte europäische BMW-Fabrik, Wolfsburg ist das Stammwerk von Volkswagen – und das Vereinigte Königreich ist nun mal der größte Exportmarkt für in Deutschland gefertigte Autos.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Brexit-Karte ist Teil einer bislang unveröffentlichten Studie der Wirtschaftsforscher aus Halle, die der F.A.S. vorliegt. Die Ökonomen haben darin detailliert untersucht, was ein Scheitern der laufenden Wirtschaftsverhandlungen zwischen Brüssel und London für die Arbeitsplätze in Europa und anderswo auf der Welt bedeuten würde. Das Ergebnis: Abgesehen von Großbritannien selbst, stehen beim Brexit-Poker nirgendwo auf der Welt so viele Jobs im Feuer wie in Deutschland. Insgesamt wären hierzulande rund 180000 Arbeitsplätze gefährdet, schätzen die IWH-Forscher. Grund dafür: Der EU und Großbritannien bleiben noch ziemlich genau 100 Tage, um nach dem Brexit ihre Wirtschaftsbeziehungen in einem Handelsabkommen neu zu regeln. Gelingt das nicht, werden zum Jahreswechsel im britisch-europäischen Handel unweigerlich Zölle wiedereingeführt, die das beiderseitige Exportgeschäft schwer belasten würden. Wirtschaftlich wäre das reiner Irrsinn – doch genau der droht jetzt. Den Preis dafür würde Europa mit Wohlstandseinbußen und verlorenen Arbeitsplätzen bezahlen.

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