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Xi in Europa : Chinesische Mauern

Chinas Staatschef Xi Jinping mit Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Bild: EPA

Europa hat die offensten Märkte der Welt und hoffte, auch China damit zu überzeugen. Leider hat es sich bislang getäuscht.

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          Europa hat die offensten Märkte der Welt. Mit gutem Beispiel vorangehen, dann werden andere folgen, lautete lange Zeit die Hoffnung der EU.

          Doch das blieb ein frommer Wunsch. China hat 18 Jahre nach seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation seine öffentliche Auftragsvergabe immer noch nicht geöffnet und zwingt Auslandsinvestoren zur Gründung von Gemeinschaftsunternehmen vor Ort. Gleichzeitig drängen Technologiekonzerne wie Huawei nach Europa.

          So macht sich in der EU verständlicherweise der Ruf nach Reziprozität laut – wie Du mir, so ich Dir. Ohne derartige Druckmittel hat Europa keine Verhandlungsmacht und muss sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen.

          Allerdings wäre europäische Einigkeit die Voraussetzung; die Beteiligung Italiens und anderer europäischer Länder an Chinas „Neuer Seidenstraße“ lässt daran zweifeln. Die Drohung mit geschlossenen Märkten muss auch vorsichtig eingesetzt werden.

          Wenn sich am Ende überall die Schranken erheben, hätte die deutsche Wirtschaft am stärksten zu leiden. Viel mehr als das für Protektionismus anfällige Frankreich profitiert Deutschland vom China-Geschäft. So bleibt der Umgang mit Peking ein Balance-Akt.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

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