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Schuldenschnitt : Griechenland lehnt Vorschlag der Banken ab

So nicht: Der griechische Finanzminister am 16. November im Parlament Bild: AFP

Die Verhandlungen über den Schuldenschnitt für Griechenland verlaufen zäh. Die bisherigen Vorschläge des internationalen Bankenverbands reichen der neuen griechischen Regierung noch nicht.

          Die neue griechische Regierung hat die Vorschläge des internationalen Bankenverbandes IIF zur Umsetzung des Forderungsverzichts von 50 Prozent zunächst abgelehnt. Dies berichtete die griechische Tageszeitung „Kathimerini“ am Donnerstag.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwochabend hatte IIF-Geschäftsführer Charles Dallara in Athen dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos die Vorschläge seines Verbandes, dem 450 Finanzunternehmen - überwiegend Banken - angehören, vorgestellt. Der griechischen Regierung reichen diese offenbar noch nicht, um die Ziele der Euro-Gruppe zu erreichen.

          Am Donnerstag stellte Dallara die Vorschläge Banken und Versicherern in den Türmen der Deutschen Bank vor. Er zeigte sich nach den Gesprächen mit der griechischen Regierung ermutigt, dass es bald zu einer Vereinbarung komme.

          Frühestens könnte der Schuldentausch im Januar 2012 über die Bühne gehen, sagte der stellvertretende IIF-Geschäftsführer Hung Tran. Die privaten Gläubiger sollen auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten, womit die griechischen Staatsschulden um rund 100 Milliarden Euro gesenkt würden.

          Mindestens 90 Porzent Zustimmung erwartet

          Der von ursprünglich 21 auf 50 Prozent erhöhte Forderungsverzicht war Voraussetzung für das von der Euro-Gruppe und dem Internationalen Währungsfonds am 27. Oktober auf 130 Milliarden Euro ausgeweitete Rettungspaket. Ziel ist es, die griechischen Staatsschulden bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

          Dallara erwartet, dass mindestens 90 Prozent der privaten Gläubiger dem Umtausch zustimmen werden. Bei dem Treffen in Frankfurt hätten sich 45 Banken, Versicherer, Vermögensverwalter und auch einige Hedgefonds zu einem Gläubigerausschuss zusammengeschlossen. Allein darin seien 70 bis 80 Prozent der Gläubiger vertreten.

          Auch der griechische Finanzminister Venizelos hofft auf eine breite Akzeptanz: „Unser Ziel ist es, den Anleihetausch so zu gestalten, dass ihm möglichst viele private Gläubiger zustimmen“, sagte er in Athen.

          Zwei Modelle

          Der IIF schlägt dem Zeitungsbericht zufolge zwei Modelle vor. Im ersten müssen die griechischen Banken nur auf 37 Prozent ihrer Forderungen verzichten, während es für die ausländischen Gläubiger 50 Prozent bleiben. Dafür können sie ihre restlichen Forderungen in neue, vom Euro-Rettungsfonds EFSF bis zu einem Höchstbetrag von knapp 30 Milliarden garantierte Anleihen mit einer Laufzeit von 22 Jahren umtauschen.

          Im zweiten Modell akzeptieren alle Gläubiger einen Abschlag von 50 Prozent. Den Rest tauschen sie in eine von der EFSF ebenfalls bis 30 Milliarden Euro abgesicherte Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit.

          Dallara erwartet, dass sich am Ende ein Vorschlag durchsetzt, der sich auf alle Gläubiger bezieht. Weitere Details nannte er nicht. Er betonte aber, dass der Schuldenschnitt für Griechenland ein Einzelfall sei. Ein ähnliches Vorgehen für andere Euro-Krisenländer schloss er aus. Er hofft, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Bemühungen im Kampf gegen die Schuldenkrise fortsetzen werde.

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