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Schuldenkrise : Zypern stellt Antrag auf EU-Hilfen

  • Aktualisiert am

Der Inselstaat ist die drittkleinste Volkswirtschaft der Eurozone Bild: dpa

Als fünftes Land der Eurozone lässt sich Zypern von den EU-Partnern helfen. Das Land hat große Probleme mit den Banken, die stark in Griechenland engagiert waren.

          Die kleine Republik Zypern schlüpft unter den europäischen Rettungsschirm. Das Land hat seine europäischen Partner um Hilfe aus den Krisenfonds EFSF oder ESM ersucht, wie die Regierung am Montag mitteilte. Als Begründung verwies der Staat auf die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Das Land hat große Probleme mit den Banken, die stark in Griechenland engagiert waren. Bislang suchten Griechenland, Irland und Portugal bei internationalen Geldgebern Hilfe. Zudem will Spanien Hilfen für seine angeschlagenen Banken in Anspruch nehmen.

          Wie viel Geld zur Rekapitalisierung des angeschlagenen Bankensektors in Zypern benötigte werde, sei noch unklar, sagte ein Diplomat. Die in früheren Medienberichten kolportierte Summe von zehn Milliarden Euro halte er aber für übertrieben.

          Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, hat das Hilfegesuch aus Zypern begrüßt. „Die Eurogruppe wird den Antrag nun rasch untersuchen und Zypern eine formelle Antwort geben“, erklärte Luxemburgs Premier am Montagabend. Er erwarte nun, dass die 17 Euro-Länder der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank den Auftrag erteilen, Auflagen für die Hilfen auszuarbeiten. Dabei gehe es vor allem um den Finanzsektor - dieser ist eng mit den Banken des maroden Griechenland verflochten. „Ich gehe davon aus, dass Zypern sich mit starker Entschlossenheit an die nötigen politischen Handlungen macht“, heißt es in Junckers Mitteilung weiter.

          Euro-Münze aus Zypern

          Die zyprische Regierung war bislang zurückhaltend, Hilfen bei seinen EU-Partnern zu beantragen, weil damit in der Regel Spar- und Reformauflagen verbunden sind. Das Land verteidigt etwa seine Unternehmenssteuern, die zu den niedrigsten in der EU gehören.

          Das Land ist hoch verschuldet: Lag die Verschuldung im Jahr 2010 noch bei 61,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukzts, war sie bis Ende 2011 auf 71,6 Prozent geklettert.

          Dass nach übereinstimmenden Angaben keine Delegation des Internationalen Währungsfonds nach Zypern reisen wird, deuten Diplomaten als Indikator dafür, dass das Land - ähnlich wie Spanien - eine „Bankenrettung light“ anstrebt. Das wiederum würde bedeuten, dass sich die Reformbedingungen für die Kapitalspritze lediglich auf den Finanzsektor beschränken würden.

          Die Entscheidung kam zwar nicht mehr überraschend, fiel letztlich aber doch kurzfristig. Die Ratingagentur Fitch hatte schon zum Wochenbeginn die Kreditwürdigkeit Zyperns wegen des maroden Bankensektors auf Ramsch-Niveau eingestuft und damit Spekulationen über einen Hilfsbedarf verstärkt. Fitch folgte mit seiner Neubewertung den Einschätzungen der beiden anderen großen Ratingagenturen: Moody’s hatte die Kreditwürdigkeit Zyperns am 13. Juni auf ein entsprechendes Niveau gesenkt, Standard & Poor’s bereits im Januar. 

          Zyperns Banken haben viel Geld in Griechenland investiert

          Das Hauptproblem des Inselstaates ist tatsächlich der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Zyperns Banken hatten in den vergangenen Jahren stark in griechische Staatsanleihen investiert und zudem viele Kredite an griechische Unternehmen vergeben. Die zyprischen Banken sind damit auch den Risiken durch die griechische Staatsverschuldung in besonderem Maße ausgesetzt. Zyprische Institute, allen voran die „Cyprus Popular Bank“ und die „Bank of Cyprus“, haben in Griechenland noch Kredite im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro ausstehen.

          Abgesehen von dem Griechenlandrisiko stellt die Vorgabe der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA), dass der Eigenkapitalanteil „systemrelevanter“ europäischer Banken bis zum 30. Juni auf neun Prozent erhöht werden muss, zyprische Institute vor Schwierigkeiten. Die beiden größten zyprischen Banken, die viele griechische Staatsanleihen in ihrem Portfolio führen und daher durch den für Athen ausgehandelten Schuldenschnitt stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben Schwierigkeiten, diese Vorgabe zu erfüllen. Allein die Cyprus Popular Bank, das zweitgrößte Geldinstitut des Landes, braucht 1,8 Milliarden Euro, um ihre Rekapitalisierung bis zum 30. Juni fristgerecht abzuschließen - der Betrag entspricht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts des kleinen Staates. Fitch erklärte am Montag, Zypern werde voraussichtlich weitere vier Milliarden Euro benötigen, um seinen Bankensektor zu stützen.

          Russland hat in der Vergangenheit schon ausgeholfen

          Der zyprische Staat kann sich schon seit 2011 nicht mehr am Markt refinanzieren und wurde im vergangenen Jahr nur durch einen russischen Kredit über 2,5 Milliarden Euro davor bewahrt, sich an die Europäer wenden zu müssen.

          Zypern bemüht sich Diplomatenkreisen zufolge auch weiterhin um bilaterale Kredite von Drittstaaten, namentlich Russland und China. Seit der vergangenen Woche halten sich der zyprische Minister für Handel und Industrie, Sylikiotis, sowie Popular-Bank-Chef Sarris in China auf, um sich dort um einen Kredit zu bemühen, bisher jedoch ohne Erfolg. Russland hat sich bereits zu einem neuen Kredit über bis zu fünf Milliarden Euro für Zypern bereiterklärt. Dies werde jedoch in Brüssel nicht gern gesehen, hieß es aus Bankkreisen in Nikosia.

          Das gesamte Bruttoinlandsprodukt Zyperns betrug 2011 laut offiziellen Angaben 17,8 Milliarden Euro. Damit ist Zypern eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. Zypern übernimmt am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz.


           

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