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Schuldenkrise : IWF: Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden Euro

Die Immobilienkrise ist längst eine Bankenkrise - im Gebäude der Bankia protestieren Demonstranten gegen Zwangsräumungen. Bild: REUTERS

Der IWF veröffentlichte seine Analyse des spanischen Finanzsystems in aller Eile vorzeitig. Der Währungsfonds forderte Spanien auf, schnell zu handeln. Spekuliert wird, dass Madrid schon an diesem Samstag die EU um Hilfe bitten könnte. Am Nachmittag soll es eine Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister geben.

          Spanien braucht zur Rekapitalisierung seiner Banken mindestens rund 40 Milliarden Euro. Das hat der Internationale Währungsfonds (IWF) am Freitag abend Ortszeit in einer Analyse des spanischen Finanzsystems erklärt. Dabei handele es sich um eine Untergrenze, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Fonds in Washington vor Journalisten. Die Summe umfasst nicht zusätzliche Finanzmittel, die der Währungsfonds als Puffer für Kosten von Umstrukturierungen oder für weitere Verluste empfiehlt. Um die Finanzmärkte zu überzeugen und um für Eventualitäten gerüstet zu sein, würde üblicherweise das 1,5- bis 2-fache des Kapitalbedarfs angesetzt, erklärte der IWF-Vertreter. Der Finanzbedarf für die Bankenrettung in Spanien beliefe sich nach dieser Rechnung auf 60 bis 80 Milliarden Euro. Die spanische Regierung hat bislang einen Kapitalisierungsbedarf für drei Banken von 28 Milliarden Euro eingestanden.

          Madrid will Prüfberichte abwarten

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der IWF veröffentlichte den Bericht, der erst für Montag avisiert worden war, am Freitagabend Ortszeit in aller Eile vorzeitig. Die Ländervertreter im Direktorium des Währungsfonds forderten die spanische Regierung auf, schnell zu handeln. Spekuliert wird, dass Spanien schon an diesem Samstag die Europäische Union um Hilfe bitten könnte. Die spanische Regierung will aber offenbar bis Ende Juni warten, bis Prüfberichte der Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman vorliegen. Mit Finanzhilfen der EU über den Rettungsfonds EFSF könnte Spanien dem Los Griechenlands, Portugals und Irlands ausweichen, harte Reformauflagen erfüllen zu müssen. Spanien hat bislang beim IWF keinen Antrag auf Unterstützung gestellt.

          Die Finanzminister der Eurogruppe werden an diesem Samstag über die gefährliche Bankenkrise in Spanien beraten. Der Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker setzte eine Telefonkonferenz der Ressortchefs an, wie EU-Diplomaten in Brüssel berichteten. Die spanische Nachrichtenagentur EFE meldete, die Konferenz beginne um 16.00 (MESZ) und berief sich auf den Sprecher Junckers.

          Bergarbeiter protestierten am Freitag in Nordspanien gegen den Sparkurs der Regierung. Bilderstrecke

          In der offiziellen Analyse beziffert der Währungsfonds allein die reinen Kosten der Bankenkapitalisierung mit 37 Milliarden Euro. Er betont, dass nicht alle spanischen Banken der Kapitalzuführung bedürften. „Der Kern des Systems erscheint widerstandsfähig“, heißt es. Die beiden größten Banken des Landes – Bancco Santander und BBVA – würden vorsichtig geführt und könnten ihre Gewinne auch in dem Stresstestszenario halten, erklärte der IWF-Vertreter. Kapitalbedarf aber sieht der Fonds bei den ehemaligen Sparkassen (Cajas), die schon zu Geschäftsbanken umstrukturiert wurden und die zum Teil schon Finanzhilfen des Staates erhalten haben.

          Der IWF beruft sich bei seiner Kostenschätzung auf einen Stresstest der Bank von Spanien und auf eigene Analysen. In dem hypothetischen Stresstestszenario ist unterstellt, dass die spanische Wirtschaft in diesem Jahr um 4,1 Prozent und im kommenden Jahr um 1,6 Prozent schrumpfen wird. Die Arbeitslosenquote würde in dem Szenario bis Jahresende 2013 auf 26 Prozent steigen und die Immobilienwerte um weitere 24 Prozent sinken. Als Maß für das benötigte Eigenkapital ist angenommen, dass die Banken dabei nach den Basel-III-Regeln eine Tier-1-Kernkapitalquote harten Eigenkapitals von 7 Prozent halten. Im April hatte der Fonds Spanien für 2012 eine Schrumpfung des BIP um 1,8 Prozent und für 2013 ein Wachstum von 0,1 Prozent prognostiziert.

          In der Analyse des Finanzsystems beklagt der Währungsfonds, dass Spanien die Bankenumstrukturierung zu spät und zu schrittweise angegangen sei. Er fordert, die Unabhängigkeit der Bank von Spanien zu stärken und den Finanzaufsehern mehr Kompetenzen zu geben, um marode Finanzinstitute schnell umzustrukturieren oder aufzulösen.

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