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Rating-Entscheidung von Moody's : Das kleinere Übel

Die Rückseite einer Ein-Euro-Münze aus Deutschland. Bild: dpa

Die Ratingagentur Moody’s zweifelt an Deutschlands Bonität. Das ist gut so. Sie macht Deutschland klar: Wenn es versucht, die anderen Euro-Staaten zu retten, übernimmt es sich.

          Ausnahmsweise hat eine Ratingagentur mal das richtige Timing erwischt. Zu einem besseren Zeitpunkt hätte die Ankündigung kaum kommen können: Moody’s zweifelt an Deutschlands Spitzenrating. Die Bestnote “AAA“ hat die Ratingagentur mit einem „Ausblick negativ“ versehen. Damit kommt sie genau recht in der Debatte, die sich in den vergangenen Tagen um weitere Hilfszahlungen für Griechenland entzündet hat.

          Mögen die Fakten auch nicht neu sein, mag die Ratingagentur am Ende auch einen nur begrenzten Einfluss auf Deutschlands Kreditzinsen haben - Moody’s Begründung fasst Deutschlands Situation noch mal klar zusammen. Die Agentur nennt vor allem zwei Argumente für ihren Schritt, die jedem einleuchten sollten.

          Erstens besteht die Gefahr, dass Griechenland den Euro verlässt: Dann droht die weithin befürchtete Ansteckung anderer Länder wie Italien. Auch in Spanien könnte sich die Lage dann nochmals verschlimmern.

          Aber zweitens gibt es noch eine andere Gefahr: Wenn kein Land den Euro verlässt, werden die finanzschwachen Staaten auf Dauer am Tropf der finanzkräftigen Staaten hängen. Also unter anderem an Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg - genau den Staaten, die Moody’s jetzt unter verschärfte Beobachtung gesetzt hat.

          Deutschland hat nur die Wahl zwischen zwei Übeln

          Selten ist es in der öffentlichen Debatte so klar ausgesprochen worden: Deutschland hat nicht die Wahl zwischen einer unveränderten Eurozone und einer großen Katastrophe - sondern nur die Wahl zwischen zwei Übeln. Welches das größere ist, weiß letztlich niemand vorher.

          Aber die Chancen sind groß, dass der Euro-Ausstieg Griechenlands das kleinere ist. Ein Abschied Athens aus dem Währungsverbund hat inzwischen viel von seinem Schrecken verloren hat, weil sich viele Kreditgeber und Firmen längst darauf eingestellt haben. Der deutsche Staat müsste noch mal einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag einrechnen, vielleicht gäbe es eine Rezession - aber der Ausstieg Griechenlands wäre letztlich ein Schrecken mit Ende.

          In der laufende Diskussion kommt Moody’s zur rechten Zeit, um allen Beteiligten die Gefahr vor Augen zu führen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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