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Währungsunion : Profitiert Deutschland wirklich vom Euro?

  • -Aktualisiert am

Schon vor dem Ausbruch der Krise ging es mit Südeuropa bergab. Bild: dpa

Auf dem Rücken des Südens, der darbt, ist Deutschland erstarkt: So ist es landauf, landab zu hören. Aber stimmt das auch? Ein Gastbeitrag.

          Ein Land wie Deutschland profitiert vom Handel mit einem Land wie Frankreich aus zwei Gründen. Erstens erlaubt es der Handel beiden Ländern, sich zu spezialisieren. Weil Deutschland Kleinwagen und Käse importiert, kann es sich auf die Herstellung von Sportwagen und Maschinen fokussieren. Dadurch entstehen Spezialisierungsgewinne in Form höherer Produktivität, die sich darin äußert, dass der deutsche Arbeitnehmer deutlich weniger arbeiten muss als noch vor 50 Jahren, um ein bestimmtes Güterbündel konsumieren zu können. Zweitens gewinnt der deutsche Konsument durch abwechslungsreicheren Konsum. Wir konsumieren Filme aus Amerika, Wein aus Italien und Urlaube in Griechenland - alles Güter, bei denen wir nicht nur komparative Nachteile haben, sondern die wir schlicht nicht herstellen können.

          Doch ob man aus Sicht der ökonomischen Theorie erwarten kann, dass der Euro den Handel und die Investitionen wirklich befördert, ist nicht so klar, wie man angesichts des Optimismus der Euro-Enthusiasten meinen könnte. Deutschland wäre auch ohne den Euro höchstwahrscheinlich Teil des Europäischen Währungssystems mit festen, aber gelegentlich anzupassenden Wechselkursen. Der Euro-Effekt besteht hier also darin, diese gelegentlichen Anpassungen auszuschließen.

          Wirtschaftstheorien sind zwiespältig

          Dies ist aus Sicht des einzelnen Unternehmens begrüßenswert, weil unwiderrufliche Wechselkurse wie eine kostenlose Vollversicherung gegen Wechselkursschwankungen wirken. Wenn diese das wahrgenommene Preisrisiko reduzieren, könnte dies den Handel befördern. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht allerdings sind fixierte Wechselkurse eher kontraproduktiv. Marktpreise passen sich in vielen Fällen nicht schnell genug in alle Richtungen an - insbesondere Lohnsenkungen auf breiter Front sind nur selten zu beobachten.

          Gleiches gilt für die Zentralisierung der Geldpolitik, die unweigerlich damit einhergeht, dass für einige Mitgliedstaaten eine stabilitäts- und wachstumsorientierte Geldpolitik verfehlt wird (schließlich muss sie sich nach dem Durchschnitt der Eurozone richten). Die Vorhersage der Wirtschaftstheorie über den Einfluss der Euroeinführung auf den grenzüberschreitenden Handel fällt also insgesamt zwiespältig aus.

          Europäische Staaten profitieren unterschiedlich stark

          Auch ein Blick auf die Daten klärt diese Frage nicht eindeutig. Wenn der Euro tatsächlich den Handel und damit die internationale Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone befördert, sollte sich dies in einer Steigerung der Marktanteile der Eurostaaten innerhalb der EU niederschlagen. Deutschlands Marktanteil bleibt über den gesamten Zeitraum nahezu stabil, der Anteil der Nord-Eurozone steigt moderat an (verantwortlich dafür sind aber ausschließlich die Niederlande).

          Die eigentlichen Bewegungen aber finden in der Süd-Eurozone und in den Ländern statt, die den Euro nicht oder nicht von Beginn an haben. Die südlichen Länder, darunter Frankreich und Italien, verlieren massiv. Gleiches gilt für Großbritannien, Schweden und Dänemark, die die Nicht-Euro-Nordgruppe bilden. Die osteuropäischen Staaten gewinnen stark. Ein Unterschied zwischen Neu-Eurostaaten und Ländern wie Polen und Tschechien lässt sich dabei nicht erkennen. Der Abstieg Südeuropas beginnt wohlgemerkt vor Ausbruch der Krise.

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