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Manipulationsvorwürfe : Streit um die Haushaltsdaten Griechenlands

Sympathie von allen Griechen, denen die Einschnitte und Reformen zu weit gehen Bild: AFP

Früher haben griechische Statistiker die Haushaltszahlen geschönt und Defizite zu niedrig angegeben. Dem neuen Chef des Statistikamts wird nun vorgehalten, er habe die Haushaltszahlen für 2009 künstlich nach oben geschraubt. 

          Griechenlands Statistikamt kommt nicht zur Ruhe. Nun geht es um angeblich dramatisierte Zahlen. In einer staatsanwaltschaftlichen Voruntersuchung wegen des Verdachts auf Untreue soll Mitte des Monats der neue Chef des griechischen Statistikamts Elstat, Andreas Georgiou, vor den Staatsanwälten aussagen. Während in früheren Jahren die griechischen Statistiker die Haushaltszahlen geschönt und weit niedriger angegeben hatten als die Realität es erforderte, wird dem neuen Amtschef nun vorgehalten, er habe die Zahlen für 2009 nach oben geschraubt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Als Gegner tritt eine ehemalige leitende Mitarbeiterin des Statistikamtes auf. Sie behauptet, das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2009 sei künstlich nach oben korrigiert worden, von einem Wert in der Region zwischen 12 und 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf den Wert von 15,4 Prozent. Nachrichtenagenturen berichten dazu, dass die entlassene Mitarbeiterin Zoe Georganta behaupte, die Daten seien auch wegen Drucks aus Deutschland dramatisiert worden. Griechenland habe dann für 2009 das Haushaltsdefizit von Irland mit 14,3 Prozent übertroffen und damit den größten Wert im Euro-Land ausgewiesen. Die aus der Sicht der entlassenen Mitarbeiterin übertriebenen Daten seien dann zum Druckmittel für eine Verschärfung der Reformen in Griechenland geworden. Mit diesem Vorwurf kann die Anklägerin gegen den obersten griechischen Statistiker derzeit mit viel Sympathie bei all den Griechen rechnen, denen die Einschnitte und Reformen zu weit gehen.

          „Strikt an die Regeln gehalten“

          Doch der Beschuldigte Georgiou, ein ehemaliger Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds, will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Der Leiter des griechischen Statistikamtes sieht dabei die europäische Statistikbehörde Eurostat auf seiner Seite. Schließlich wurden die griechischen Daten und die Arbeit der Elstat-Statistiker wegen der früheren Fälschungen von den europäischen Kollegen genau unter die Lupe genommen. Er habe im August 2010 die Leitung des Statistikamtes übernommen, sagt Georgiou, und schon von Oktober bis November 2010 seien die Arbeitsmethoden und die Daten einen Monat lang von Eurostat-Experten genau untersucht worden. Seither folgten weitere Kontrollbesuche.

          „Wir haben uns strikt an die Regeln von Eurostat gehalten“, sagt der Elstat-Chef dieser Zeitung. Dies sei auch in den europäischen Publikationen mit griechischen Daten abzulesen. Dort habe es früher immer Anmerkungen zu den Zahlen gegeben, weil sich Griechenland nicht genau an die europäischen Vorgaben gehalten habe. Nun würden dagegen die Daten aus Griechenland ohne Vorbehalte publiziert. „Das bedeutet, dass das Europäische Statistikamt keinerlei Zweifel an den griechischen Haushaltsdaten hat“, sagt Georgiou. „Für die Vorwürfe gibt es keine Grundlage, das ist vielmehr ein beispielloser Fall für Statistiker, die ihre Arbeit entsprechend den Regeln erledigen.“

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