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Krise in Griechenland : Ein Staatsbankrott ist halb so schlimm

Die spanische Armada auf dem Weg in ihr Verderben: Philipp II. hatte sich mit dem Bau der Schiffe finanziell ruiniert. Bild: Rado Javor

Pleiten gehören zur Geschichte der Staaten wie Königsmorde oder Kriege. Mal wurden sie offen zugegeben, mal verheimlicht. Danach ging das Leben weiter. Denn die Finanziers konnten trotz Zahlungsausfall mit einem Gewinn rechnen.

          Wenige Wörter klingen so bedrohlich ultimativ wie „Staatsbankrott“. Dabei lehrt die Geschichte: Die Länder können ihren finanziellen Ruin verwinden. „Staatsbankrotte sind keineswegs gleichbedeutend mit Staatsvernichtung“, schrieb der Philosoph und Jurist Alfred Manes schon 1918 in seinem Standardwerk über das Phänomen. Im Gegenteil, sie dienten häufig genug der Wiederbelebung oder der Rettung.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Bankrott sind Länder laut der gängigen Definition schließlich schon, wenn sie sich weigern, rechtlich unumstrittene Schulden zu bedienen. Es fehlt ihnen also am Willen zu zahlen und nicht zwangsläufig an der Fähigkeit. Das unterscheidet die Regierungen von Unternehmen, die im Konkursfall nicht mehr zahlen können. Von der Antike bis zur Neuzeit gilt die Grundregel: Insolvente Unternehmen sterben, insolvente Staaten schließen einen Vergleich mit ihren Geldgebern, oder sie verschleiern die Pleite.

          Tatsächlich ist der Staatsbankrott keine Ausnahmeerscheinung: Er gehört zur Karriere der meisten Länder wie Überschwemmungen, Putsche, Königsmorde oder Kriege. Eine zuverlässige Liste der hoheitlichen Konkurse aus aller Welt zu erstellen sei im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit, seufzte schon Altmeister Manes. Allein die Pleiten eines Landes säuberlich zu registrieren falle schwer.

          Die Kredite weginflationieren

          Im Gebiet des Deutschen Reiches zum Beispiel ereigneten sich allein im 18. Jahrhundert fünf Pleiten, Spanien war sogar siebenmal dabei. In Nordamerika stoppten zwölf Unionsstaaten ihren Kapitaldienst, in Südamerika unzählige. Doch danach ging das Leben weiter.

          Denn damals wie heute gelingt dem Staat etwas, das dem privaten Pleitier versagt bleibt: Er bekommt immer wieder Geld. „Gerne haben häufig und reichlich große und kleine Kapitalisten ihm ihr Geld geliehen“, notiert der Staatskundler Manes. Das ist mindestens überraschend. Entweder vergessen die Finanziers schnell, sie sind irrational, oder sie folgen einem eigenen Kalkül, das nicht auf Anhieb zu erkennen ist.

          Um dieses Kalkül zu verstehen, sollte man wissen: Von der Antike bis heute haben die Staaten zwei Methoden, mit denen sie sich ihrer Schulden entledigen. Entweder erklären die Regierungen offen, dass sie die Kredite und Bonds nicht wie vereinbart bedienen. Oder sie verschleiern den Bankrott, indem sie Geld prägen oder drucken und so die Kredite weginflationieren.

          So setzten die Römer nach dem ersten Punischen Krieg den Kupfergehalt der gängigen Münze von zwölf Unzen auf zwei Unzen herab und konnten ihre Schulden so mit einem Sechstel des Kapitals begleichen. Auch mehr als 2000 Jahre später blieb das Verfahren in Mode. Der Basler Wirtschaftshistoriker Peter Bernholz hat für das 20. Jahrhundert 29 Hyperinflationen gezählt, die alle ihren Ausgangspunkt in gewaltigen Staatsdefiziten hatten.

          Philipp II. von Spanien: 90 Prozent der Einnahmen für das Militär

          Im Vergleich dazu agierte der Superstar unter den Staatsbankrotteuren, Philipp II. von Spanien, geradezu entwaffnend offen: Er gab es immer zu, wenn ihm das Geld ausgegangen war. Der Habsburger regierte das spanische Weltreich von 1556 bis 1598 und pflegte die höchst kostspielige Neigung zu Kriegen. Mit religiöser Inbrunst bekämpfte er Engländer, Osmanen und Niederländer, die Franzosen sogar mehrmals. Erfolgreich war er nicht immer. Seine Armada aus 130 Kriegsschiffen zerschellte in Stürmen, seine Truppen scheiterten in den Niederlanden. Während seiner 42 Jahre währenden Regierungszeit herrschte gerade einmal sechs Monate lang Frieden im Reich.

          Krieg aber ist teuer. Philipp gab nach Berechnung des Wirtschaftshistorikers Hans-Joachim Voth bis zu 90 Prozent seiner Einnahmen für militärische Zwecke aus. Kein Wunder, dass Spanien trotz seiner Einnahmen aus südamerikanischen Silberbergwerken stets klamm war.

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