https://www.faz.net/-gqu-812sc

Festival-Organisator Horvat : „Der Finger wurde aus dem Zusammenhang gerissen“

Der Philosoph Srecko Horvat hat die Veranstaltung organisiert, auf der Giannis Varoufakis den Deutschen seinen Stinkefinger gezeigt haben soll. Bild: Petar Markovic/CC BY-SA 3.0

Hat Giannis Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger gezeigt? Srecko Horvat kennt die Antwort. Er hat das „Subversive Festival“ organisiert, auf dem das fragliche Video entstand.

          Alle Deutschen wollen es wissen: Hat Varoufakis seinen Mittelfinger gegen sie gereckt?

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Nein, das muss ein für alle Mal gesagt werden: Varoufakis reckte nicht „den Mittelfinger gegen die Deutschen“. Bei dieser Präsentation in Zagreb sprach Varoufakis über eine Zeit, über den Mai 2010, als Griechenland den deutschen Steuerzahlern noch keinen einzigen Euro schuldete. Sein Argument lautete, Griechenland hätte damals gegenüber den privaten Gläubigern in Konkurs gehen sollen, statt sich von den europäischen Partnern einen riesigen Kredit geben zu lassen. Der Finger wurde also aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich so interpretiert, als hätte sich der griechische Finanzminister gegen die Rückzahlung der Schulden an Deutschland ausgesprochen und Deutschland den Finger gezeigt.

          Was für eine Art Veranstaltung war das „Subversive Festival“ in Zagreb damals?

          Das Rahmenthema 2013 hieß „Die Zukunft Europas“, und neben Giannis Varoufakis hatten wir viele andere prominente Gäste, nicht nur Alexis Tsipras, auch Oliver Stone oder Aleida Guevara, die Tochter von Che. Ja, wir glauben an ein anderes Europa, in dem wir nicht über griechische Finger reden, sondern in dem wir schließlich alle schmutzigen Finger – von Berlin bis Brüssel – auf den Tisch legen, die uns in diese Krise gebracht haben und darauf bestehen, dass die einzige Antwort nun neue Maßnahmen der Austerität und der Schuldenknechtschaft sind.

          Warum hieß ihre Veranstaltung „subversiv“?

          Weil es unterschiedliche Wege gibt, gegen Hegemonie zu kämpfen. Wir glauben an die Macht des Diskurses. Der Finanzkapitalismus funktioniert aber gegenwärtig vor allem mit Zeichen und Symbolen. Das kann man an Formeln wie „Marktreaktionen“ sehen oder sogar an Fragen der Mode, also ob Tsipras eine Krawatte trägt oder nicht, ob Varoufakis eine Lederjacke trägt oder nicht. Wenn das so ist, dann können wir auch auf der Ebene von Symbolen kämpfen.

          Warum haben Sie den damaligen Professor Varoufakis eingeladen?

          Der nun bekannt gewordene Auftritt war eine Buchpräsentation. Wir fanden sein Buch „Der globale Minotaurus“ wichtig. Er hielt auch einen Einführungsvortrag, der später im englischen „Guardian“ veröffentlicht wurde. Aber all das geschah, bevor Varoufakis Minister wurde.

          Weitere Themen

          Stillstand beim BVG Video-Seite öffnen

          Warnstreiks im Berufsverkehr : Stillstand beim BVG

          Wegen der laufenden Tarifverhandlungen kommt es zu Warnstreiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Menschen in der Hauptstadt mussten deswegen im morgendlichen Berufsverkehr auf U-Bahn, Straßenbahn und die meisten Busse verzichten.

          Topmeldungen

          Zum Tod von Bruno Ganz : Die Welt läuft falsch

          Bruno Ganz ist gestorben, mit 77 Jahren, zu Hause in Zürich. Zum Schauspielen benötigte der größte deutschsprachige Mime seiner Generation kaum etwas anderes als sein Gesicht, seinen Blick und seine Stimme.

          Merkel in München : Die Instant-Führerin der freien Welt

          Einer der letzten Auftritte der Kanzlerin in München wird zu ihrem größten Triumph. Selbstbewusst und bescheiden zugleich hält sie ein flammendes Plädoyer für Multilateralismus. Viele zollen ihr stehend Applaus. Doch eine bleibt sitzen.

          Live-Diskussion : Droht der Welt ein nukleares Wettrüsten?

          Amerika, Russland und China rüsten auf. Wie gefährlich ist das? Welche Rolle sollte die Nato übernehmen? Und wie viel Verantwortung muss Deutschland tragen? Die Diskussion mit den F.A.Z.-Experten auf der Münchner Sicherheitskonferenz gibt es hier zum Nachschauen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.