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Griechenland : Der große Knall

  • -Aktualisiert am

Noch mehr Kredit löst die Strukturprobleme Griechenlands nicht. Das hilft nicht gegen Korruption, Steuerhinterziehung, unfähige Verwaltung und Klientelpolitik. Wenn stattdessen weiter nur Renten und Gehälter gekürzt werden, droht der große Knall.

          Jedes Quartal wird das Schauspiel neu aufgeführt. Vor Auszahlung der nächsten Kredittranche für Athen stellt die Troika aus IWF, EZB und EU fest, dass die griechische Regierung die versprochenen Reformen und Einsparungen wieder nicht geliefert hat. Dann ringt die Troika in einem von Streiks und medialer Aufwallung begleiteten Verhandlungsmarathon den Griechen neue Spar- und Reformversprechen ab, die Euro-Finanzminister verkünden die Lösung der Schuldenkrise - bis zur Wiedervorlage im nächsten Quartal. Wie lange wollen Euro-Rettungspolitiker dieses Stück noch spielen?

          Zu viel billiges Geld

          Der Überfluss an billigem Geld, nicht der Mangel an Geld sei das eigentliche Desaster des Landes, wie Griechenlands Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingeräumt hat: Subventionen aus Brüssel hätten Hellas zerstört. Das sollte jenen zu denken geben, die den deutschen „Sparwahn“ und das angebliche „Kaputtsparen“ verteufeln und einen „Marshall-Plan“ für Griechenland fordern. Aus den verschiedenen Brüsseler Fördertöpfen sind mehr als 100 Milliarden Euro nach Athen geflossen, dort aber nicht investiert, sondern konsumiert worden, weil das Geld zusammen mit dem größten Geschenk des Euro, ungewohnt tiefen Zinsen, zum Import von Waren auf Pump verführte. Noch mehr Kredit löst die Strukturprobleme Griechenlands nicht. Das hilft nicht gegen Korruption, Steuerhinterziehung, unfähige Verwaltung und Klientelpolitik. Wenn stattdessen weiter nur Renten und Gehälter gekürzt werden, droht nach einer Spirale aus Rezession und Depression der große Knall, wie der Minister warnt.

          Auch die Europäische Zentralbank bekämpft mit noch mehr billigem Geld die Staatsschuldenkrise. Neben Zinsen fast zum Nulltarif geht sie mit dreijährigen Geldspritzen für Banken gegen eine befürchtete Kreditklemme an. Der Applaus der Banken ist der EZB sicher. Für die Institute ist es ein Bombengeschäft, sich von der Notenbank viele Milliarden zu einem Prozent zu holen und dafür Anleihen aus Südeuropa zu vier Prozent zu kaufen. Weil die EZB ihre Anforderungen an die Sicherheiten zur Finanzierung ausgesetzt hat, landen Ramschanleihen in Hülle und Fülle in der Bilanz der Zentralbank. Notleidende Staatsschuldner lassen sich so gern finanzieren, und Banken streichen ebenso gern die Zinsdifferenz ein. Hoffentlich endet dieses Billionenspiel nicht auch mit einem großen Knall.

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