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Europäische Zentralbank : Von Sicherheiten zu Ramschpapieren

Umzug 2014: In den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main Bild: Fricke, Helmut

Bei ihrer Gründung akzeptierte die Europäische Zentralbank nur erstklassige Papiere als Sicherheiten. In der Krise wurden die Anforderungen an Pfänder radikal gesenkt. Die Bundesbank ist irritiert.

          Als die Europäische Zentralbank gegründet wurde, lautete eines der Versprechen: Sie akzeptiert nur erstklassige Papiere als Sicherheiten für Finanzierungeschäfte der Banken. Inzwischen ist der Rahmen aber immer weiter gezogen worden. Jüngst hat die EZB die Ratinganforderung für die umstrittenen Kreditverbriefungen, sogenannte „Asset-Backed Securities“ (ABS) von der Bestnote AAA auf A gesenkt. Die „Assets“ in diesen Papieren können Hypothekendarlehen für Häuser, aber auch Auto- oder Konsumkredite sein.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Manche EZB-Veteranen und Ökonomen sind erschrocken, wie weit die Standards aufgeweicht wurden: „Die Bilanz des Eurosystems ist nicht nur in der Dimension gigantisch, sondern auch in der Qualität erschreckend“, kritisierte der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark vergangenes Jahr. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, sagte nach der ABS-Entscheidung, die Standards seien ohnehin schon „auf abenteuerliche Weise“ gesenkt worden; nun gehe es nochmal weiter.

          Die Bundesbank wollte indes nicht bestätigen, dass ihr Präsident Jens Weidmann sich im EZB-Rat gegen die Entscheidung ausgesprochen hatte. Dies seien „Mutmaßungen“. Im vergangenen Frühjahr hatte Weidmann in einem aufsehenerregenden Brief an EZB-Chef Mario Draghi noch gefordert, die Sicherheitenstandards nicht weiter aufzuweichen und zu den alten Standards zurückzukehren. Nun hält er still.

          Zunehmend fragwürdige Papiere in den Bilanzen der EZB

          37.978 verschiedene Papiere umfasst die Liste der möglichen Sicherheiten („Collaterals“) derzeit. Die Zahl ändert sich täglich. Darunter sind Staats-, Regional- und Kommunalanleihen, unbesicherte und gedeckte Bankanleihen, Unternehmensanleihen, forderungsunterlegte Wertpapiere (ABS) sowie andere marktgängige Wertpapiere, aber auch ein großer Teil von nicht-marktgängigen Papieren wie etwa Einzelkredite; ihre Anteil hat deutlich zugenommen. Insgesamt haben die Banken für fast 2,5 Billionen Euro Sicherheiten bei der EZB hinterlegt.

          Die Zentralbank nimmt aber jeweils einen deutlichen Abschlag vom Marktwert der Papiere. Die sogenannten „Haircuts“ liegen je nach Qualität (Rating) und Laufzeit der Papiere sehr unterschiedlich, manche bei 5 oder 10 Prozent, für schlechtere Papiere auch bei 20 bis 44 Prozent. Die Abschläge sind ein Sicherheitspuffer für die Zentralbank, falls die Bank, die sich dafür Geld besorgt, den Kredit nicht mehr in der Lage sein sollte, den Zentralbankkredit zurückzuzahlen. Neben vielen soliden Werten sind aber zunehmend auch fragwürdige Papiere in den Bilanzen der EZB und der Euro-Notenbanken: bis hin zu Staatsanleihen mit Ramschratings sowie Unternehmenskrediten, deren Qualität schwer zu beurteilen ist.

          Selbst skurrile Kreditverbriefungen können darunter sein. So konstruierte die spanische Sparkassengruppe Bankia einmal ein forderungsbesichertes Papier, das zu einem Großteil aus einer 76-Millionen-Kreditforderung an den Fußballclub Real Madrid bestand, die als Sicherheit mit künftigen TV-Einnahmen unterlegt war. Mit dem Kredit hatte der Club den Kauf des Spielers Cristiano Ronaldos finanziert. Einige Zeitungen schrieben vergröbernd, dass inzwischen selbst „Ronaldos Beine“ in der EZB-Bilanz steckten.

          Die Sicherheiten der Europäischen Zentralbank

          Der FDP-Eurokritiker Frank Schäffler sagte einmal polemisch, bald kaufe die EZB „auch alte Fahrräder auf und gibt dafür neues Papiergeld heraus“. Die EZB weist solche Kritik weit von sich. An manchen Stellen straffe sie die Regeln auch. Doch als Ergebnis der vergangenen fünf Krisenjahren bleibt doch eine enorme Ausweitung des Sicherheitenrahmens. Nach der Lehman-Brothers-Pleite im September 2008 gewährte die EZB den Banken nicht nur Finanzierungsgeschäfte in praktisch unbegrenzter Höhe („Vollzuteilung“). Einen Monat nach Lehman akzeptierte sie erstmals auch Fremdwährungsanleihen und senkte die Sicherheitenschwelle für Staatsanleihen und Wertpapiere auf die Bonitätsnote „BBB-“.

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