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Die fünf Phasen des Schlamassels : Eine kurze Geschichte der Euro-Krise

Die vierte Phase (welche die dritte überlagerte) war geprägt von der Verschärfung der Schuldenkrise in zwei weiteren Euro-Staaten. Irland musste im November 2010 Hilfe der EFSF (sowie eines weiteren europäischen Hilfsfonds und des Internationalen Währungsfonds IWF) in Anspruch nehmen, Portugal folgte im Mai 2011. Die fünfte Phase ist die „Griechenland II“-Phase. Seit drei Monaten ist endgültig klar, dass die Prämissen des ersten Griechenland-Hilfspakets unrealistisch waren, dass das Land nicht wie geplant 2013 an die Kapitalmärkte zurückkehren kann und deshalb ein neues Hilfspaket für Athen zu schnüren ist. Wie es auszusehen hat und wie vor allem die privaten Gläubiger Griechenlands – in erster Linie Banken und Versicherungen – an diesem Programm zu beteiligen sind, darüber schwelt eine Diskussion, die sich seit Junckers Ankündigung einer „sanften Umschuldung“ im Mai im Kreis zu drehen scheint. Der an diesem Donnerstag stattfindende Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten ist nicht das erste Treffen, von dem es im Vorfeld heißt, es werde diesen Streit „endlich“ lösen.

Ob schon eine sechste Phase begonnen hat, lässt sich derzeit schwer einschätzen. Die in den vergangenen zwei Wochen gestiegenen Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen haben die Sorge wachsen lassen, dass mit Italien der erste große Euro-Staat von der Krise angesteckt werde. Deshalb ist seither auch die Diskussion über zusätzliche Kriseninstrumente wieder entbrannt.

So viele Gipfel gab es selten

Es steht also wieder einmal ein „entscheidendes“ Treffen bevor. Doch wie oft war davon in den vergangenen anderthalb Jahren vor einem der vielen EU- und Euro-Krisengipfel die Rede? Und wie oft hieß es, der Gipfel müsse eine Entscheidung hervorbringen, die „endlich wieder Ruhe“ herstelle – auf den Märkten, zwischen den Euro-Staaten, unter den immer zerstrittener wirkenden Partnern des Euroraums? Gelungen ist das nie wirklich. Manchmal hinterließen die Gipfel noch mehr Konfusion, manchmal war ein paar Wochen oder Monate Ruhe. Aber weder die „Rettungsaktionen“ für überschuldete Staaten – die in Wirklichkeit keine Rettung darstellten, sondern den betreffenden Ländern mit dem Geld der Steuerzahler Zeit kaufen sollten –, noch die geplanten institutionellen Reformen brachten dem Euroraum innere Stabilität. Dennoch hegten alle die unausgesprochene Hoffnung, irgendwann und irgendwie werde der Spuk schon vorbeigehen.

Als EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am vergangenen Freitag zum abermaligen Sondergipfel einlud, brach sich die Erwartung Bahn, eine „Lösung“ der Griechenland-Krise sei jetzt gefunden, die seit Monaten andauernden Diskussionen könnten nun beendet werden. Die Erwartung beruhte auf einer einfachen Überlegung: Ein Sondergipfel ergäbe nur Sinn, wenn er irgendeine Art von Ergebnis brächte. Im umgekehrten Fall würde die Zerrissenheit des Euroraums endgültig manifest. Doch die Bundeskanzlerin hat die Erwartung auf eine „spektakuläre Einzelentscheidung“ bereits wieder gedämpft (siehe Merkel dämpft Erwartungen an Euro-Gipfel). Auch EU-Beamte rechnen nicht damit, dass das Gipfeltreffen viel lösen wird – und erwarten schon das nächste Sondertreffen der Euro-Finanzminister, an die die Streitfragen wieder zurückverwiesen werden könnten.

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