https://www.faz.net/-gqe-6wlz3
 

Eurokrise : Wieder von vorn

  • -Aktualisiert am

2012, im dritten Jahr der Schuldenkrise, beginnt alles wieder von vorn. Die griechische Tragödie wird vor der Auszahlung der nächsten Kredittranche aufs Neue aufgeführt.

          Griechenland rückte die Eurokrise 2010 ins Zentrum der europäischen Politik. Ende des vergangenen Jahres beherrschte Italien die Debatte. 2012, im dritten Jahr der Schuldenkrise, beginnt alles wieder von vorn. In Griechenland wird vor der Auszahlung der nächsten Kredittranche das altbekannte Schauspiel aufgeführt: Die Troika aus EU, EZB und IWF wird mangelnde Reformfortschritte kritisieren; Athen wird mit Pleite oder Austritt aus der Währungsunion drohen, jedoch auch Besserung geloben, damit das Geld fließen kann.

          Kein Land soll aus der Eurozone ausscheiden, bekräftigten Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Sarkozy auf ihrem ersten Krisentreffen des Jahres. Griechenland sei ein Sonderfall, sagte Frau Merkel. Auch wenn sie damit auf die zähe Umschuldungsverhandlung mit privaten Gläubigern zielte, so denkt man angesichts der routinierten und erfolgreichen griechischen Erpressungstaktik unwillkürlich an die einst von Frau Merkel im Bundestag erhobene Forderung, reformunwillige Krisenstaaten müssten Euroland in letzter Konsequenz verlassen. Leider gilt seither das Gegenteil, weshalb die griechische Tragödie jedes Quartal aufs Neue aufgeführt wird.

          Frisch ist der Blick der Investoren auf den Euro im neuen Jahr. Im Urteil der meisten globalen Anleger ist die Pleite Griechenlands unabwendbar. Der privaten Umschuldung dürfte ein Forderungsverzicht der staatlichen Gläubiger folgen, zumal über Kreditpakete und Notenbanken die Schulden fleißig dorthin umgeschichtet werden. Weil immer weniger Leute in einen Währungsraum investieren wollen, in dem ein Staat seine Schuld nicht bedient, verliert der Euro nun auch gegenüber dem Dollar rapide an Wert. Das ist zwar ein Segen für die lahme Konjunktur in Südeuropa und ein warmer Regen für Exportunternehmen. Doch mit Blick auf den ehrgeizigen Emissionskalender im Euroraum ist das kein Grund zur Freude, selbst wenn Deutschland inzwischen sogar Geld vom Anleger geschenkt bekommt. Die politisch aufgeladene Frage nach einer Finanztransaktionssteuer in Europa ist wirtschaftlich nachrangig. Sarkozy will damit in den Wahlkampf ziehen, also folgen ihm die meisten Partner wenig begeistert. Zur Finanzierung brauchen EU-Staaten die Banken mehr denn je. Also darf die Steuer sie nicht strangulieren.

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron am Dienstag bei einer Veranstaltung im Elysée-Palast

          Frankreich : Der Präsident entdeckt das einfache Volk

          Emmanuel Macron will in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit stärker auf die Ängste ärmerer Franzosen vor Migranten eingehen – und stößt damit auf Widerstand.

          Die EU und Großbritannien : Warten auf Boris

          Einen Monat vor dem europäischen Gipfeltreffen, das Klarheit über den britischen EU-Austritt schaffen soll, wächst die Anspannung. Die EU hofft weiter auf konkrete Vorschläge aus Großbritannien. Doch die Zeit wird knapp.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.