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Eurokrise : Ackermann warnt vor „unruhigem Jahrzehnt“

„Die Spreu wird sich stärker vom Weizen trennen“: Josef Ackermann Bild: dpa

Deutsche-Bank-Chef Ackermann sieht seine Branche noch längere Zeit in unruhigem Fahrwasser. Auf der „Euro Finance Week“ warnt er vor der Zerschlagung von Universalbanken.

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          Die Finanzbranche steht vor einem unruhigen Jahrzehnt. Wie der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, auf der Euro Finance Week in Frankfurt sagte, wird sich unter den Banken die Spreu vom Weizen trennen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden oder sich zusammenschließen, ist in unserer Branche größer denn je.“ Als Ursachen für diese Entwicklung nannte er die Finanzkrise und die strengere Regulierung, die wichtige Parameter verändern. So hätten Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Anlage verloren.

          Den Banken stehe damit ein wichtiger Referenzpunkt nicht mehr zur Verfügung. Dass Staatsanleihen nicht mehr risikolos seien, dafür müsse ein hoher Preis bezahlt werden.

          Ackermann hielt seine Rede, bevor die staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungen von Vorstandsbüros der Deutschen Bank - darunter auch seines - bekannt wurden.

          Es müsse klargestellt werden, dass die Beteiligung der privaten Gläubiger an Griechenland ein Sonderfall sei, betonte er. Investoren außerhalb Europas würden sonst keine Staatsanleihen aus dem Euroraum mehr erwerben. Keiner sei bereit zu einem Forderungsverzicht, der wegen seiner Freiwilligkeit auch alle Absicherungsgeschäfte wertlos mache.

          Ackermann: Auf gesellschaftliche Akzeptanz achten

          Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, der zum Jahreswechsel Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) wird, will vorerst noch an der Aufsichtsregel festhalten, dass Banken für Staatsanleihen von EU-Mitgliedstaaten kein Kapital als Risikopuffer vorhalten müssen. Mittelfristig müsse darüber nachgedacht werden, aber nicht in der Krise.

          Ackermann rief die Banken dazu auf, stärker auf die gesellschaftliche Akzeptanz zu achten. Geschäftsmodelle ließen sich nicht erfolgreich durchsetzen, wenn sie durch weite Teile der Gesellschaft abgelehnt würden. Jedoch sprach er sich gegen die Abspaltung des Kreditgeschäfts vom Investmentbankgeschäft aus.

          Dadurch drohe europäischen Banken der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, weil sie den Erwartungen der Firmenkunden nicht mehr gerecht werden könnten.

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