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Euro-System : Kapitalflucht aus Italien steigert Bundesbankrisiko

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Bild: F.A.Z.

Die Kapitalflucht aus den finanzschwachen Euroländern hat sich beschleunigt. So ziehen immer mehr Sparer und ausländische Banken ihr Geld aus Italien ab und bringen es in Sicherheit - etwa in Deutschland.

          Die Kapitalflucht aus finanzschwachen Euroländern hat sich beschleunigt. Insbesondere private Kreditgeber der italienischen Banken, zum Beispiel Sparer und ausländische Banken, fürchten um ihr Geld und bringen es unter anderem in Deutschland in Sicherheit. In der Folge sind die Banken der finanzschwachen Länder noch stärker auf die Finanzierung durch die Zentralbank angewiesen. Das geht aus Daten der Bundesbank und der Banca d’Italia hervor.

          Die Kapitalflucht macht sich in Forderungen und Verbindlichkeiten des Zahlungsverkehrssystems Target bemerkbar. Von Ende Juli bis Ende September sind diese Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Euro-System von 343 auf 449 Milliarden Euro gestiegen.

          Im gleichen Zeitraum haben sich die Target-Verbindlichkeiten der Banca d’Italia um mehr als 80 Milliarden Euro erhöht, allein im September stiegen sie von 57 auf 103 Milliarden Euro. Die italienischen Banken griffen verstärkt auf Ausleihungen direkt bei der Banca d’Italia zurück, um die Kapitalabflüsse zu finanzieren. Die langfristigen Ausleihungen der italienischen Notenbank an die italienischen Banken stiegen im August um rund 20 Milliarden Euro.

          Die Target-Verbindlichkeiten beziehungsweise im Fall der Bundesbank Target-Forderungen entstehen unter anderem, wenn Geld von den Banken eines Landes abgezogen und in ein anderes Euroland überwiesen wird. In normalen Zeiten werden solche Abflüsse finanziert durch zusätzliche private Kredite des empfangenden Bankensystems an die Banken, die Abflüsse verzeichnen.

          Seit sich Banken misstrauen, trocknet der private Kredit aus

          Deshalb waren die Target-Forderungen der Bundesbank vor 2007 kaum der Rede wert. Seitdem jedoch Misstrauen unter den Banken herrscht, besonders gegenüber solchen aus finanzschwachen Euroländern, trocknet der private Kredit aus. Die Banken, denen misstraut wird, weichen auf Kredite der Zentralbanken des Euro-Systems aus, und das Euro-System baut so Verbindlichkeiten gegenüber den nationalen Notenbanken auf, in die das Kapital abfließt. Sollte es in dieser Kette zu Zahlungsausfällen kommen, würden die trotz der Besicherung mit Wertpapieren zu erwartenden Verluste gemäß den Kapitalanteilen an der EZB auf alle Notenbanken des Euro-Systems umgelegt. Die Bundesbank trägt die Risiken für die 449 Milliarden Euro an Target-Forderungen also nicht allein, aber auf sie würde ein großer Teil der Verluste entfallen.

          Leistungsbilanzdefizit erklärt nur Teil der Verbindlichkeiten

          Im Umfeld der Bundesbank wird vermutet, dass der starke Anstieg der italienischen Target-Verbindlichkeiten nur zum geringen Teil mit dem Leistungsbilanzdefizit des Landes zu erklären ist. Der Löwenanteil sei wohl auf die große Nervosität auf den Finanzmärkten zurückzuführen. Eine ähnliche Erklärung ist auch vom Münchener Ökonomen Hans-Werner Sinn zu hören. Die italienischen Anleger verkauften ihre Vermögenswerte, schrieb Sinn in einem Zeitungsbeitrag. Die Banken bezahlten sie mit dem Geld aus den Target-Krediten. Schließlich verwendeten die italienischen Anleger das Geld, um in Deutschland Aktien oder andere Wertobjekte zu kaufen. Hinter der Staatsschulden- und Bankenkrise stecke eine Zahlungsbilanzkrise, die in den Targetsalden ihren Ausdruck findet. sagte Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

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