https://www.faz.net/-gqe-atr

Euro-Krise : Wachsende Zweifel an Italiens Staatsfinanzen

Unmut in der Regierung: Ministerpräsident Berlusconi bezeichnete die Arbeit von Finanzminister Giulio Tremonti (l) als nicht Team ortieniert Bild: dapd

Die Risikozuschläge für italienische Anleihen sind auf einem Rekordhoch angelangt. Aus Sorge vor einem Strudel aus immer höheren Zinsen und wachsendem Defizit hat EU-Ratspräsidenten Herman van Rompuy in Brüssel ein Krisentreffen einberufen.

          Nachdem sich wegen wachsender Zweifel an der finanziellen Solidität Italiens die Bewertung der Staatsschulden und der Bankaktien am Freitag an den Finanzmärkten deutlich verschlechtert haben, soll es am heutigen Montag in Brüssel ein Krisentreffen geben. Agenturberichten zufolge wurde diese Konferenz am Wochenende vom EU-Ratspräsidenten Herman van Rompuy einberufen. An dem Sondertreffen sollen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie Kommissionspräsident José Manuel Barroso teilnehmen. In Italien wird erwartet, dass bei dem Treffen dem italienischen Finanzminister für sein Sparpaket von 47 Milliarden Euro öffentlich Unterstützung ausgesprochen wird. Zudem wird darüber spekuliert, ob die Ratingagenturen an die Leine gelegt werden könnten.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Italiens Regierung hat vor zehn Tagen ein Sparpaket beschlossen, das bis zum Jahr 2014 das Haushaltsdefizit des Landes auf nahezu Null senken soll. Formell gesehen stellen die Beschlüsse die Haushaltsbegleitgesetze für den im Herbst zu beschließenden Staatshaushalt dar. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti hat die Spardebatte auf den Sommer vorgezogen, um damit Spekulationen auf den Finanzmärkten zuvorzukommen.

          Höchststand bei Risikozuschlag

          Doch gegen die von Tremonti erarbeiteten Pläne gibt es Widerstände nicht nur von der Opposition, sondern auch in der Regierungskoalition. Ministerpräsident Berlusconi, der sich mehr Steuererleichterungen gewünscht hätte, kritisierte zuletzt Tremonti offen als den einzigen Minister, der nicht im Team arbeite. Schließlich wurde Tremonti in der vergangenen Woche auch von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gestreift, weil er bei Übernachtungen in Rom in der Wohnung eines langjährigen Beraters und Abgeordneten zu Gast war, der nun der Korruption und Erpressung verdächtigt wird.

          Die Schwäche der italienischen Regierung hat dazu beigetragen, dass am Freitag der Risikozuschlag der italienischen Staatstitel gegenüber den deutschen einen Höchststand seit dem Start der Währungsunion erreichte; das Maximum betrug 2,48 Prozentpunkte. An der Börse verloren die wichtigen Bankenaktien alleine am Freitag zwischen 3 und 8 Prozent ihres Wertes, in der ganzen Woche 10 bis 20 Prozent. Wenige Tage zuvor hatte der ehemalige IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson davor gewarnt, dass Italien wie Griechenland in einen Strudel mit immer höheren Zinsen und immer höherem Defizit schlittern könne. Allerdings sind die italienischen Staatsschulden, insgesamt 1890 Milliarden Euro Ende April (etwa 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 7 Jahren sehr viel langfristiger finanziert als die griechischen, zudem zu 55 Prozent von Italienern. Für das laufende Jahr muss das italienische Schatzministerium nur noch rund 80 Milliarden Euro an langfristigen Titeln ersetzen; daneben ist die Ausgabe von kurzfristigen Staatstiteln mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr im Wert von 92 Milliarden Euro geplant. Der italienische Notenbankgouverneur und künftige EZB-Präsident Mario Draghi suchte seinem Land mit einer Erklärung zu Hilfe zu kommen: Das Sparpaket sei glaubhaft, die Banken seien solide und könnten wachsende Erträge erwarten.

          Weitere Themen

          Ist das Klimapaket eine Mogelpackung?

          Eckpunktepapier : Ist das Klimapaket eine Mogelpackung?

          Umweltverbände halten das „Klimaschutzprogramm 2030“ für unzureichend und werfen der Bundesregierung Ignoranz vor. Aus der Wirtschaft gibt es mehr Lob, doch auch dort gibt es Zweifel an dem Paket.

          Topmeldungen

          Eckpunktepapier : Ist das Klimapaket eine Mogelpackung?

          Umweltverbände halten das „Klimaschutzprogramm 2030“ für unzureichend und werfen der Bundesregierung Ignoranz vor. Aus der Wirtschaft gibt es mehr Lob, doch auch dort gibt es Zweifel an dem Paket.
          Den Jakobsweg läuft man nicht an einem Wochenende. Das geht nur mit einer Auszeit.

          Die Karrierefrage : Wie komme ich an ein Sabbatical?

          Einfach mal die Seele baumeln lassen, Kraft tanken, den Horizont erweitern: Eine Auszeit vom Beruf wollen viele. Wie aus dem Wunsch Wirklichkeit wird, erfahren Sie hier.
          Das Baden ist untersagt, aber es kostet nichts: Schwanenpaar mit menschlichen Passagieren auf dem Eisbach im Englischen Garten

          Aufwachsen in München : Ja mei, die jungen Leute

          München ist das teuerste Pflaster Deutschlands. Das ist hart für Jugendliche und Heranwachsende, die noch kaum Geld verdienen. Die Stadt hilft ihnen, indem sie bei zivilem Ungehorsam wegschaut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.