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Euro-Einführung : Preiskampf als Scheingefecht

  • Aktualisiert am

Aldi wirbt mit Preissenkungen Bild: AP

Hinter den Preissenkungen zur Euro-Einführung wie beim Marktführer Aldi könnte sich ein Scheingefecht verbergen.

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          In großen Zeitungsannoncen wurde es angekündigt: Aldi, Marktführer unter Deutschlands Lebensmittelmärkten, senkte mit der Euro-Einführung am Mittwoch die Preise für sämtliche angebotenen Artikel - mit Ausnahme von Zigaretten und Tabakwaren - um durchschnittlich zwei bis drei Prozent.

          Konsequent senkte Aldi dabei alle „ungeraden“ Euro-Preise auf den nächsten optisch attraktiven „Schwellenpreis“ ab. So gilt für Tiefkühlkostartikel, die bisher 6,59 Mark oder umgerechnet 3,369 Euro kosteten, ein neuer Preis von 3,29 Euro. Im Schnitt sollen die Kunden so nach Branchenangaben 1,6 bis 2,7 Prozent sparen. „In der Regel liegen die Margen in der Branche zwischen ein und drei Prozent“, sagt Christian Fronczak von der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Da wird es für viele schon eng, die mit Aldi mitziehen wollen.

          Die Konkurrenz zieht mit

          Tatsächlich folgten bereits am Mittwoch die ersten Konkurrenten dem Beispiel des Marktführers. Der Lebensmittel-Discounter Norma orientierte sich dabei sichtbar am Aldi-Vorbild und warb ebenfalls mit „Preissenkungen auf die neuen Euro-Eckpreise“. Der große Aldi-Konkurrent Lidl dagegen reagierte zunächst zurückhaltend und warb in großen Anzeigen unter dem Motto „Euro = jetzt noch billiger“ lediglich mit einer Vielzahl von Preissenkungen.

          Europas drittgrößter Lebensmittelhändler Rewe gab sich gelassen. Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck sagte: „Wir werden unsere Preise so gestalten, dass sie wettbewerbsfähig sind.“ Der zur Tengelmann-Gruppe gehörende Discounter Plus hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, in der ersten Januarwoche die Preise für rund 250 Artikel dauerhaft zu senken und keinen einzigen zu erhöhen.

          Scharfer Wettbewerb muss nicht im Preiskampf enden

          „Das ist das Einläuten einer neuen Preisrunde“, urteilte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, Gerd Härig. Nun werde es vom Verhalten der Konkurrenten abhängen, ob es wieder zu einem so erbitterten Preiskampf komme wie zuletzt vor zwei Jahren. Der Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel bleibt unverändert scharf“, meint auch Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Eine neue „Preisschlacht“ im Lebensmittelhandel erwartet Pellengahr aber nicht. „Da hat der Handel gelernt“, glaubt der HDE-Sprecher. Es habe sich gezeigt, dass kaum jemand aus den Auseinandersetzungen als Gewinner hervorgehen könne.

          Preissenkungen vielleicht nur "Eintagsfliegen"

          Die Fachleute bezweifeln, dass die Aktion von Dauer ist. „Auch Aldi hat natürlich nichts zu verschenken“, meint Pellengahr. „Man muss sich mal im Laden angucken, wie lange die Preise halten werden. Wenn die Euro-Party vorbei ist, wird wieder Normalität einkehren.“

          Volker Dölle von der Bad Homburger Unternehmensberatung Dölle geht noch weiter. Er sieht in der Werbeaktion vor allem eins: eine Täuschung der Kunden. „Das ist ein Scheingefecht“, sagt der seit Jahren in der Branche tätige Berater. Er hatte schon vor einem halben Jahr Aldi-Preise untersucht und festgestellt, dass diese im Vorfeld der Euro-Einführung um teilweise bis zu 30 Prozent angehoben wurden. Dabei sei Aldi keine Ausnahme gewesen. „Jeder hat diese Preiserhöhungen mitgenommen und gibt jetzt wieder ein bisschen was ab“, meint Dölle. Auch mit den werbewirksam verbreiteten Euro-Abrundungen würden die Preise bei weitem „nicht auf die alten Höhen zurückgeführt.“

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