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Euro-Einführung : Kundenansturm zum D-Mark-Abschied

  • Aktualisiert am

Ganze Eimer voller Münzen wurden am Donnerstag zu den Landeszentralbanken gebracht. Die mussten wegen des Andrangs mitunter die Schalter schließen.

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          Der Abschied von der D-Mark hat vielen Banken einen Ansturm beschert: Deutlich mehr Kunden als in den vergangenen Wochen brachten am Donnerstag ihre alten Währungsbestände zum Umtausch. Vor allem die Landeszentralbanken berichteten von Warteschlangen und vorübergehenden Schließungen der Schalter.

          Der Andrang sei sehr groß, sagte der stellvertretende Direktor der Landeszentralbank von Berlin und Brandenburg, Michael Weber. Mehrere hundert Kunden drängten sich demnach schon am Morgen in der Schalterhalle der Bundesbank-Filiale. Bei Sparkassen und Privatbanken wurde dagegen nur von leicht höherem Kundenverkehr berichtet.

          Schließung der Schalterhallen

          "Mitunter mussten wir aus Sicherheitsgründen die Schalterhalle schließen“, sagte Weber zur Lage in den vergangenen Tagen. Schon in den vergangenen zwei bis drei Wochen hätten täglich bis zu 600 Kunden D-Mark-Beträge und ausländische Währungen in Euro tauschen wollen. Beträge von unter einer Mark - etwa hundert griechische Drachmen mit einem Gegenwert von etwa 26 Cent - bis zu Beträgen von mehreren tausend Mark wurden demnach gewechselt. Im Schnitt würden Beträge zwischen 300 bis 500 Euro getauscht.

          Grund für den Run sei möglicherweise, dass viele Kunden durch das Ende der Annahme von Mark durch den Handel am Donnerstag aufgeschreckt worden seien, sagte Weber. D-Mark-Beträge würden von den Landeszentralbanken jedoch zeitlich unbegrenzt und kostenlos in Euro getauscht. Bis zum 28. März würden auch noch Banknoten der alten Währungen der anderen Euro-Staaten gebührenfrei gewechselt. Einige Banken hätten ihre Kunden allerdings auch schon in den Tagen zuvor zur Landeszentralbank geschickt, obwohl bis zum Donnerstag eine Selbstverpflichtung der Kreditwirtschaft zum Umtausch der alten Währungen bestehe, kritisierte Weber.

          Eimer voller Münzen

          Auch die Landeszentralbanken in Nordrhein-Westfalen und Hamburg mussten einen Ansturm Tauschwilliger bewältigen. Seit Montag schon sei der Andrang „sehr stark“, sagte ein Sprecher in Düsseldorf. Allerdings sei die Lage nicht mit dem Run zur Euro-Einführung Anfang des Jahres vergleichbar. In der Hauptstelle in Düsseldorf „lassen wir die Kunden nur schubweise rein, um die Abwicklung zu schaffen“, fügte er hinzu. „Es kommen sowohl Leute mit kleinen Restbeträgen als auch mit ihrem Matratzengeld.“ In die Bundesbankfiliale in Hamburg habe ein Kunde am Mittwoch „drei Fünf-Litereimer voller Münzen“ gebracht, sagte ein Banksprecher. Die Schalterhalle sei „rappelvoll“. Teilweise seien sechsstellige Beträge umzutauschen.

          Euro-Experte Holger Schulz vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sagte, dass am letzten Tag der Mark ein „gewisser, aber nicht dramatischern Anstieg“ zu verzeichnen sei. Viele Sparkassen wollten noch bis zur Jahresmitte altes Geld annehmen. Das stehe aber im Ermessen der einzelnen Institute. Auch die Höhe der Gebühren sei eine Frage der „Hauspolitik“. „Es gibt jetzt keine rechtliche und auch keine moralische Verpflichtung mehr“, sagte Schulz. Eine Empfehlung von Seiten des Verbandes werde es nicht geben. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB), in dem die privaten Kreditinstitute organisiert sind, nannte die Lage an den Bankschaltern eher ruhig.

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