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Euro-Einführung : Der Euro macht die Briten heiß

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England muss zuschauen Bild: dpa

Die überschwänglichen Feiern zur Geburt des Euro haben in Großbritannien Erstaunen und Unsicherheit ausgelöst.

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          Die überschwänglichen Feiern zur Prachtgeburt des Euro haben beim Zuschauer Großbritannien Erstaunen und Unsicherheit ausgelöst. Um mit der neuen Realität fertig zu werden, flüchten sich die Meinungsmacher zunächst einmal in Schlagzeilen und Karikaturen. Das Volk denkt sich seinen Teil: Skeptisch, aber nicht unrealistisch, gehen laut Umfragen immer mehr Briten von der „Unvermeidbarkeit“ des Euro aus.

          „Der Zug fährt ohne uns ab, Tony“, warnte die Labour-Zeitung „Mirror“ am Donnerstag Regierungschef Tony Blair. „Der Euro ist sexy und macht Spaß“, urteilte der „Mirror“. Der konservative „Daily Telegraph“ zitierte die deutsche „Bild-Zeitung“ mit dem Schluss, der Euro sei einfach eine „eurotische“ Erfahrung. Dagegen wetterte die euro-feindliche „Sun“, dass die Neuwährung ein „einziger Schwindel“ sei, mit dem der Wohlstand von mehr als 300 Millionen Europäern aufs Spiel gesetzt werde.

          Draußenbleiben oder mitmachen?

          Seriöse Kommentatoren verweisen darauf, dass die britische Diskussion künftig nur noch darum gehen kann, ob das Land sich ein Draußenbleiben leisten kann. „Jetzt, wo die Euro-Währung nicht mehr wegzuwünschen ist, steht fest, Europa ist in zwei Lager geteilt: die Eurozone und die Nicht-Eurozone“, schrieb der „Independent.“

          Für Premierminister Blair stelle sich nun die Frage, wie er damit umzugehen gedenke. „Die Phase des Unglaubens ist vorüber. Die Zeichen der Kapitulation mehren sich“, urteilte der „Guardian“ zu dem nach seiner Ansicht gemäßigteren Tonfall der Euroskeptiker. Noch spiegelt sich die in den Medien sichtbare Spaltung - zumindest nach außen hin - in der Politik wider. Stunden nachdem sich Europaminister Peter Hain mit der Äußerung vorgewagt hatte, Großbritannien könne dem Euro „nicht auf Dauer“ fernbleiben, pfiff sein Chef, Außenminister Jack Straw, ihn mit der Bemerkung zurück, an der Abwartepolitik der Regierung habe sich nicht das geringste geändert.

          Der Euro bleibt das Thema

          Natürlich weiß auch Straw, dass der Euro das heißeste politische Thema Großbritanniens bleiben wird. Mit dem versprochenen Referendum kann Labour stehen oder fallen. Die Meinungsbildung zu Hause ist dabei ein ebenso entscheidend wie der wirtschaftliche und politische Erfolg des Euro. Die Folgen einer möglichen „schleichenden“ Einführung des Euro (Euro-creep) sind unabsehbar.

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