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Euro-Countdown : Der Endspurt wird ein harter Marathon

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Deutschland neun Monate vor dem Euro. Reicht die Zeit, um alle Beteiligten auf die neue Währung einzuschwören?

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          Nur noch neun Monate sind es bis zum €-Day - der Tag an dem der Euro kommt. Den Endspurt für die Vorbereitungen zur Euro-Einführung kann man als eingeläutet betrachten.

          Informationskampagne bis Weihnachten

          Am Montag starteten Bundesbankpräsident Ernst Welteke und Bundesfinanzminister Hans Eichel in Berlin eine Informationskampagne, die bis kurz vor Weihnachten durch 100 deutsche Städte führen wird und die Bundesbürger mit der neuen Währung vertraut machen soll. Gleichzeitig gab Edgar Meister, Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank, die Endfassung des Konzeptes zur sogenannten „Inverkehrgabe“ des Euro-Bargeldes bekannt, einer Art Fahrplan für den technischen Ablauf des Währungswechsels.

          Hoffen auf reibungslosen Ablauf

          Die Bundesbank erwartet beim Einsammeln der DM-Bestände und der Ausgabe des Euro-Bargeldes keine größeren Pannen. Die rechtzeitige Bereitstellung von 4,3 Milliarden Stück Banknoten und 17 Milliarden Euro-Münzen seitens Druckereien und Prägeanstalten hält Meister - trotz zwischenzeitlich aufgetretener Druckpannen - für gesichert. Ab September sollen diese Bargeldbestände sukzessive an Banken und Unternehmen im so genannten Frontloading ausgeliefert werden.

          Bonisysteme und die Bundeswehr

          Bonisysteme sollen hierbei die Banken ermuntern, schon frühzeitig mit dem Auffüllen ihrer Bestände zu beginnen. So sollen Engpässe vor allem beim Geldtransport in der „heißen Phase“ im November und im Dezember vermieden werden. Die Lagerung des Geldes kann allerding noch problematisch werden, denn es müssen Geldmengen von außerordentlicher Größe sicher aufbewahrt werden. Die Bundeswehr hat sich zwar bereit erklärt, hier auszuhelfen, und wird Lagerstätten zur Verfügung stellen, doch wird diese Hilfe wahrscheinlich nicht allen Beteiligten zugute kommen.

          Schlüsselfunktion des Einzelhandels

          Schwierig kann die Lage hier besonders für den Einzelhandel werden. Dieser nimmt eine Schlüsselfunktion beim Bargeld-Umtausch ein, da viele Bürger ihr letztes DM-Bargeld in der Übergangsphase zwischen dem 1. Januar und dem 28. Februar nicht zur Bank tragen werden, sondern damit ihre täglichen Einkäufe bestreiten werden. Der Einzelhandel wird dann die Rolle des Umwechslers einnehmen, und DM-Geld zwar noch annehmen, aber nicht mehr herausgeben.

          Achtfacher Bargeldbedarf

          Der Bargeldbedarf wird folglich nach Schätzungen von Eurocommerce, der europäischen Vertreterorganisation der nationalen Einzelhandelsverbände, das sieben- bis achtfache der normalerweise benötigten Menge betragen. Entsprechend hoch müssen die Lagerkapazitäten in den Filialen sein - eine teure Angelegenheit besonders für kleine Filialen, die auf knappem Raum einen sicheren Platz für große Geldmengen schaffen müssen, wenn sie nicht wollen, dass ihnen das Wechselgeld ausgeht.

          Schlechte Vorbereitungen bei Kleinunternehmen

          Neben den technischen Schwierigkeiten existieren noch zwei weitere große Herausforderungen für die Organisatoren der Euro-Umstellung, denen mit Informationskampagnen begegnet werden soll. Verstärkt werden müssen zum einen die bereits seit längerem laufenden Aktionen, um die Unternehmen auf den Euro vorzubereiten. Sorgen bereiten nämlich nach Angaben des Bundes Deutscher Unternehmensberater (BDU) ein Teil der kleinen und mittleren Unternehmen, von denen rund 60-70 Prozent die Situation völlig unterschätzen.

          Euroskepsis abbauen

          Und zum anderen gibt es da ja noch den deutschen Bürger, ein laut Forsa-Umfragen immer noch sehr euroskeptisches Völkchen. 55 Prozent der Deutschen lehnen den Euro immer noch ab. Nur 29 Prozent vertrauen auf die Stabilität des neuen Einheitsgeldes. Mit der am Montag gestarteten Informationskampagne soll der Bürger, der sich bisher bei den Euro-Vorbereitungen immer etwas aussen vor fühlte, nun endlich auch mit ins Boot genommen werden. Noch neun Monate, und viel zu tun.

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