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Euler Hermes versichert keine Exporte mehr : Kreditversicherer warnen vor Griechenland

Teure Anfahrt: Wer Güter in den Hafen von Piräus verschiffen will, erhält kaum noch Versicherungsschutz. Bild: dapd

Mit Euler Hermes versichert nun auch der weltgrößte Kreditversicherer keine Ausfuhren nach Griechenland mehr. Wettbewerber wie Coface waren schneller. Sie warnen mit deutlichen Worten vor einem Desaster.

          Auch der größte Kreditversicherer der Welt, Euler Hermes, versichert bis auf weiteres keine Exporte nach Griechenland mehr gegen Zahlungsausfall. Das ist für die angeschlagene griechische Wirtschaft ein weiterer Schlag, der mit deutlichen Worten begründet wird: „Exporte nach Griechenland sind aufgrund der jüngsten wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten deutlich risikoreicher geworden. Euler Hermes hat daher beschlossen, bis auf weiteres keine Lieferungen nach Griechenland mehr zu decken.“ Erst wenn sich die Lage verbessere, werde Euler Hermes die Entscheidung überprüfen, heißt es.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Schon geschlossene Verträge würden erfüllt, sagte der Sprecher der in Hamburg ansässigen Tochtergesellschaft des Münchener Versicherungskonzerns Allianz. Euler Hermes ist mit dieser Entscheidung sogar vergleichsweise spät dran. Andere Anbieter auf dem Markt haben ihre Ausfuhrversicherungen längst eingestellt oder stark reduziert, so dass man kaum auf Wettbewerber von Euler Hermes wird ausweichen können.

          „Die Risiken sind nicht mehr verlässlich kalkulierbar“

          So heißt es von Coface Deutschland in Mainz, dass man schon Mitte November vergangenen Jahres entschieden habe, kein Neugeschäft mit Ausfuhrversicherungen für Exporte nach Griechenland mehr zu machen. Damals sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass „griechische Risiken nicht mehr verlässlich kalkulierbar seien“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. Dass die Versicherer solche Entscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten träfen, hänge mit divergierenden Risikoeinschätzungen und auch mit der jeweiligen Kundenstruktur zusammen.

          Auch die Position von Coface ist in ihrer Deutlichkeit eindrucksvoll: „Die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation in diesem Land ist nicht mehr überschaubar, die kurzfristige Entwicklung nicht vorhersehbar. Die negativen Auswirkungen der Finanzprobleme auf die Unternehmen sind hingegen klar erkennbar: Wir verzeichnen deutlich mehr Zahlungsausfälle in Griechenland mit zunehmender Dynamik. Wir stellen eindeutig fest, dass sich die Risiken in den hoch riskanten Bereich verschieben. Diese Entwicklung wird sich definitiv verschärfen, es gibt keine Anzeichen auf ein Abschwächen der negativen Bewegung – im Gegenteil.“ Und weiter: „Wir haben diese Entscheidung getroffen, um unserer Warn- und Schadenverhütungsfunktion als Kreditversicherer gerecht zu werden. Diese Aufgabe wird in der öffentlichen Wahrnehmung zwar leider nicht hinreichend gewürdigt. Wir nehmen sie indes sehr ernst: Es geht letztlich auch um das Geld unserer Kunden. Wir können und wollen sie nicht sehenden Auges in unkalkulierbare Risiken steuern. Risiken müssen kalkulierbar bleiben. Das ist in Griechenland derzeit nicht mehr gegeben.“

          In den anderen von der Schuldenkrise stark betroffenen südeuropäischen Ländern prüft Coface die Situation – Komplettausschlüsse gibt es bisher aber nicht. Die schlechte Nachricht für Griechenland: Mit Euler Hermes streicht nun auch der Marktführer für Warenkreditversicherungen mit einem Weltmarktanteil von rund einem Drittel die Segel. Im vergangenen Jahr versicherte das Unternehmen Exporte im Wert von 702 Milliarden Euro. Die jüngste Ankündigung kommt aber auch mit Blick auf Euler Hermes nicht überraschend, denn in der vergangenen Woche hatte man schon in Aussicht gestellt, Ausfuhren nach Griechenland nicht mehr voll abzudecken.

          Unter einer Kreditversicherung wird die Versicherung des Lieferantenkredits verstanden. Einen Bedarf dafür gibt es grundsätzlich, weil zwischen der Lieferung einer Ware von einem Unternehmen an ein anderes und der Bezahlung dieser Ware oder der erbrachten Dienstleistung in der Regel zwischen 30 und 180 Tagen vergehen. Gegen das entsprechende Risiko kann man sich versichern – nur nicht mehr für Griechenland.

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