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Verbraucherschutz : EU will vor Gefahren durch Kerzen schützen

Vorsicht, Brandgefahr! Bild: dpa

Die EU-Kommission plant Sicherheitsanforderungen für Kerzen. Handelt es sich wieder einmal um einen absurden Vorstoß aus Brüssel? Die Bundesregierung sieht das anders.

          2 Min.

          In großen Dingen groß, in kleinen Dingen klein.“ Unter dieses Motto hat der Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seine Amtszeit gestellt. Die EU-Kommission werde sich nur noch um die wirklich wichtigen Dinge kümmern und sich nicht mehr mit Kleinigkeiten wie dem legendären, wenn auch schließlich abgesagten Ölkännchenverbot befassen, versprach der Luxemburger bei seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr. Nun aber wird pünktlich zu Beginn des Adventszeit bekannt, dass die Europäische Kommission neue Sicherheitsanforderungen für „Kerzen, Kerzenhalten, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör“ plant. Größer in kleinen Dingen geht es kaum – zumindest auf den ersten Blick.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          In einer Mitteilung von vier Seiten definieren die Beamten der Kommission zunächst, was eine Kerze ist: „Ein Produkt, das aus einem oder mehreren brennbaren Dochten besteht, die von einer bei Raumtemperatur (20 °C bis 27 °C) festen oder halbfesten Brennmasse gestützt werden. Die primäre Funktion des Produkts ist es, eine Licht erzeugende Flamme aufrechtzuerhalten.“ Genauer noch sei eine „Kerze für den Innenbereich“ eine Kerze, die für den Gebrauch in einem normalen Innenraum bestimmt und konzipiert ist. In dem Anhang von fünf Seiten wird sodann festgelegt, welche besonderen Sicherheitsanforderungen an Kerzen zu stellen sind: „Sie dürfen nicht umkippen.“ „Die Flamme darf maximal eine bestimmte Höhe erreichen“, dabei „ist die natürliche Schwankung der Flamme während des Abbrandzyklus zu berücksichtigen“.

          Alle EU-Staaten stimmten zu, außer Großbritannien

          Für Kritiker der vermeintlichen und tatsächlichen Brüsseler Überregulierung ist der Text eine wahre Fundgrube, um sich über die Eurokraten zu erregen. Tatsächlich aber reagiert die Kommission mit dem Vorschlag für die neue Verordnung auf eine Reihe von Unfällen mit Kerzen – so wie es in der 2001 in Kraft getretenen EU-Richtlinie zur Produktsicherheit vorgesehen ist. Dabei geht es auch nicht allein um Brandgefahren, sondern ebenso um das Austreten gefährlicher chemischer Substanzen. In den Mitgliedstaaten ist die Kommission mit ihrem Vorstoß entsprechend auf große Zustimmung gestoßen. Bis auf Großbritannien, das sich der Stimme enthielt, stimmten alle 28 EU-Staaten für den Vorschlag. Die Bundesregierung habe das unter ausdrücklichem Hinweis auf einen Zimmerbrand mit tödlicher Folge Ende 2014 getan, hieß es in Brüssel. Auslöser war ein Adventskranz.

          „Dass für eine solche Regelung definiert werden muss, was eine Kerze ist, ist dabei unvermeidlich – auch wenn es für den Laien bizarr klingt“, sagt ein Diplomat. Die Kommission reagierte am Mittwoch dennoch schnell auf die Berichte über den Vorschlag. Juncker habe den Auftrag erteilt, den Vorschlag noch einmal zu überprüfen, hieß es dort. Die Entscheidung darüber, ob die Behörde die Verordnung erlasse, sei trotz des positiven Votums der Staaten, noch nicht gefallen.

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