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Plastik-Kommentar : Plastik am Pranger

Ein Mann sammelt verwertbares Material am verschmutzten Korle Gono Strand in Ghana. Bild: dpa

Die EU will Geschirr und Strohhalme aus Plastik verbieten. Sie spielt den Joker der vermüllten Ozeane – aus rein politischem Kalkül?

          Nach dem Diesel hängt das Plastik am Pranger verbohrter europäischer Umweltschützer. Und wieder läuft die Politik Gefahr, ein höchst nützliches, vielseitiges und für die Umwelt oft vorteilhaftes Produkt übereifrig vom Markt zu vertreiben – und damit womöglich nicht nur teureren, sondern schädlicheren Alternativen den Weg zu bahnen.

          Eben erst sind in der EU die Recyclingquoten für Plastikmüll drastisch in die Höhe gesetzt worden. Statt die Marktreaktionen in Ruhe abzuwarten und sich auch für mehr saubere Verbrennung der Plastikabfälle starkzumachen, legt die EU-Kommission mit Verboten praktischer Wegwerfprodukte aus Plastik nach, ob Strohhalm oder Einweggeschirr.

          Die Eile dürfte der Europawahl geschuldet sein. Fotos der Plastikmüll-Strudel in Ozeanen und verendeter Meerestiere verschaffen dem Thema viel Aufmerksamkeit, da könnte die Verbots-Keule bei den Wohlstandsbürgern der EU gut ankommen.

          Doch sollte bei so schweren Markteingriffen, wie sie Verbote darstellen, nicht der politische Nutzen zählen, sondern der ökologische. Und da gilt: Solange die Hauptverursacher der verheerenden Müllstrudel in Asien sitzen, ist mit Brüsseler Aktionismus nichts zu gewinnen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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