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EU-Lateinamerika-Gipfel : Nur noch kleine Wachstumsinseln in Südamerika

  • -Aktualisiert am

Sojafeld in Paraguay: Mit solider Finanzpolitik hat das Land vorgesorgt. Bild: Bloomberg

Gerade die ärmsten und kleinsten Länder bieten Lichtblicke am düsteren Konjunkturhimmel der Region. Auf dem Brüsseler Gipfel präsentieren sie sich selbstbewusst.

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          Beim EU-Lateinamerika-Gipfel vor zwei Jahren kamen sie noch als Hoffnungsträger. Inzwischen gehören viele Länder Lateinamerikas dagegen zu den Sorgenkindern der Weltwirtschaft. Nach dem Ende des Rohstoffbooms der vergangenen Dekade stecken Argentinien, Brasilien und Venezuela, einige der größten Volkswirtschaften der Region, in der Rezession. In anderen Ländern wie Chile, Mexiko und Peru hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. Im laufenden Jahr wird Lateinamerika voraussichtlich wie 2014 die weltweit schlechteste Wirtschaftsentwicklung verzeichnen (zusammen mit Russland und den GUS-Staaten). Nach der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds wird die Wirtschaft in der Region 2015 um weniger als ein Prozent wachsen. Auch in dem vom Münchner ifo Institut ermittelten Index für das weltweite Wirtschaftsklima fällt Lateinamerika zuletzt als negative Abweichung vom globalen Besserungstrend auf.

          Vor allem der Rückgang der Rohstoffpreise hat die Region schwer getroffen. Kupfer und Eisenerz, Erdöl, Soja und andere Rohwaren bringen in den meisten Ländern Lateinamerikas den größten Teil der Exporterlöse. Die sehr heterogene Entwicklung der Länder zeigt indes, dass auch hausgemachte Probleme auf ihnen lasten. Während Länder wie Peru und Chile in Boomzeiten hohe Reserven zurückgelegt haben, leben andere wie Argentinien und Venezuela, die von linkspopulistischen und sozialistischen Regierungen geführt werden, seit Jahren über ihre Verhältnisse.

          Pazifik-Allianz ist stärker als Länder an der Atlantikküste

          In der Krise trennt sich nun die Spreu vom Weizen. In den meisten der im Wirtschaftsverbund Mercosur zusammengeschlossenen Länder an der Atlantikküste schrumpft die Wirtschaft. Dagegen erwarten die Volkswirtschaften der Pazifik-Allianz Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile für 2015 immerhin ein Wachstum von etwa drei Prozent. Die pazifischen Volkswirtschaften Südamerikas sind durchweg stärker für den internationalen Wettbewerb geöffnet als die Mercosur-Länder. Auch im Inneren betreiben die Pazifik-Latinos eine eher liberale Wirtschaftspolitik im Vergleich zu den stark durch staatliche Eingriffe geprägten Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien und Venezuela.

          Freilich gibt es auch innerhalb des Mercosur beträchtliche Unterschiede. Während die großen Länder in der Krise stecken, geht es in den kleinen Mercosur-Staaten Paraguay und Uruguay weiter aufwärts. Gemäß dem Wirtschaftsklima-Index für Lateinamerika, den das ifo Institut zusammen mit der brasilianischen Forschungsstiftung Fundação Getulio Vargas ermittelt, wird die Konjunkturlage gegenwärtig in vier von 11 Ländern als positiv eingeschätzt. Paraguay steht an erster Stelle vor Uruguay, Bolivien und Kolumbien. Die besten Erholungschancen für die kommenden sechs Monate werden den Pazifikländern Chile und Peru eingeräumt.

          Zum EU-Lateinamerika-Gipfel, der an diesem Mittwoch in Brüssel stattfand, kamen gerade die kleinsten Volkswirtschaften der Region mit gestiegenem Selbstbewusstsein. In Paraguay werden geringere Einnahmen aus dem Sojaexport durch eine Senkung der Ölimportrechnung ausgeglichen. Seit einigen Jahren verfolgt Paraguay eine Stabilitätspolitik mit strikten Haushalts- und Inflationszielen. Paraguays liberal-konservativer Präsident Horacio Cartes kann es sich darum heute leisten, die öffentlichen Investitionen zum Ausbau der Infrastruktur hochzufahren.

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