https://www.faz.net/-gqe-9irn1

F.A.Z. exklusiv : EU will Wolfsschäden vollständig erstatten

Der Wolf verursacht Kosten – und die Staaten sollen die begleichen. Bild: dpa

Der Wolf verursacht Angst, hitzige Diskussionen und hohe Kosten. Die EU-Kommission will die Schäden durch Wolfsangriffe jetzt vollständig erstatten – und die Staaten dafür zahlen lassen.

          Seit einigen Jahren nun ist der Wolf wieder heimisch in Deutschland, vor allem im Osten des Landes. Etwa tausend Tiere sind es mittlerweile. So sehr das bei Tierschützern auf Begeisterung stößt, so sehr leiden die Weidetierhalter. Immer wieder greifen Wölfe Schafherden an und töten viele Tiere.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Umso mehr ist die Ausbreitung des Wolfes auch zum politischen Streitthema geworden. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung befasst sich damit. Dennoch streiten Union und SPD darüber, ob Wölfe auch wieder geschossen werden sollen.

          Nun schaltet sich die Europäische Kommission ein. Sie will den betroffenen Viehhaltern mit mehr staatlicher Unterstützung helfen. Sie sollen den gesamten wirtschaftlichen Schaden, der durch Angriffe und Präsenz von Wölfen entsteht, erstattet bekommen.

          100 Prozent Erstattung

          Der verantwortliche Agrarkommissar Phil Hogan will die Details am Freitag anlässlich der Grünen Woche dem Bundestag in Berlin vorstellen. Die Elemente des Vorschlags liegen der F.A.Z. vor. Viehhalter sollen demnach zum einem bis zu 100 Prozent der Ausgaben, die ihnen beim Kauf von Schutzzäunen oder speziellen Schutzhunden entstehen, erstattet bekommen.

          Auch der Schaden, der durch das Reißen von Weidetieren durch Wölfe und die damit verbundene Zerstörung etwa von Zäunen, entsteht, soll ihnen vollständig erstattet werden. Das gilt auch für Tierarztkosten und die Kosten für die Suche vermisster Tiere nach einem Wolfsangriff.

          Bisher sind die Hilfen für die Landwirte auf maximal 80 Prozent des Schadens begrenzt. Angesichts der wachsende Schäden, die Wölfe verursachten, sei das zu wenig, heißt es in der Kommission.

          Deutschland müsste zahlen

          Um all das zu ermöglichen, hat die EU-Kommission ihre Beihilferegeln überarbeitet. Die geben vor, unter welchen Bedingungen die Mitgliedstaaten Unternehmen wie landwirtschaftlichen Betrieben Finanzhilfen zukommen lassen können, ohne den Wettbewerb in der Europäischen Union zu verzerren. Das Geld für die Landwirte müsste jedoch der deutsche Staat bereitstellen.

          Die EU stelle darüber hinaus aber auch Geld aus dem Topf zur Förderung der ländlichen Entwicklung etwa für die Errichtung von Schutzzäunen und den Kauf von Spezialhunden bereit, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Es gehe darum, eine Balance zwischen den berechtigten Sorgen der Weidetierhalter auf der einen Seite und der an sich wünschenswerten Wiederansiedlung des Wolfes herzustellen.

          Weitere Themen

          Die Revolution auf dem Teller

          FAZ Plus Artikel: Ernährungstrends : Die Revolution auf dem Teller

          Die großen Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz schaffen es auch in unsere Küchen: Werden wir alle bald „veggie“? Die Großindustrie glaubt daran und steckt Milliarden in alles, was irgendwie nach bio oder fleischlos klingt.

          Topmeldungen

          Soldaten der Bundeswehr beim Appell

          Bundeswehr : Soldaten posten offen Rechtsradikales

          Neue Vorwürfe über rechte Gesinnung bei Bundeswehrsoldaten: Ein Informant soll in sozialen Netzwerken Hunderte Beispiele für radikales Gedankengut gesammelt haben. Seine Vorgesetzten hätten das nicht ernst genommen.
          Teilnehmer einer AfD-Demonstration in Rostock vergangenen Dezember

          Sonntagsfrage : AfD im Osten stärkste Partei

          Fast ein Viertel der ostdeutschen Wähler würde sich im Fall einer Bundestagswahl für die AfD entscheiden. Die Union fällt laut Umfrage unter eine wichtige Marke, die SPD landet hinter den Grünen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.