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Von der Leyen verspricht : EU will bis Sommer 70 Prozent der Erwachsenen geimpft haben

  • Aktualisiert am

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Bild: AFP

Die EU-Kommissionspräsidentin kündigt an, dass das Impfziel früher erreicht wird als bisher geplant. Und während Geimpfte in Ungarn schon bald wieder Theater und Kinos besuchen können, wagt Österreich Mitte Mai einen Neustart.

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          In der EU können 70 Prozent der Erwachsenen bis Juli gegen das Corona-Virus geimpft werden. Das hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag angekündigt. Damit werde das selbstgesetzte Impfziel der EU früher erreicht als bisher, sagte die Kommissionschefin im belgischen Puurs, wo sie die wichtigste europäische Produktionsstätte des Herstellers Pfizer besuchte.

          Eine Impfquote von 70 Prozent gilt als notwendig, um Herdenimmunität zu bewirken. Bisher wollte die EU dieses Ziel bis zum Ende des Sommers erreichen, also etwa Mitte September. Die Kommissionschefin ließ offen, ob sich das von ihr jetzt ausgegebene Impfziel auf eine oder zwei Dosen bezieht. Die meisten Präparate müssen zweimal verimpft werden. Bis zum Ende dieser Woche habe die EU 150 Millionen Dosen Covid-Impfstoff erhalten, berichtete von der Leyen, 123 Millionen seien verimpft worden. In absoluten Zahlen liege die EU damit nach den Vereinigten Staaten und China auf Platz 3 in der Welt. 

          Der Optimismus von der Leyens gründet nicht zuletzt darauf, dass Pfizer den vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff schneller als erwartet in die EU liefern kann. Pfizer-Chef Albert Bourla sagte in Puurs, bis Ende Juni werde der Hersteller 250 Millionen Dosen in die EU schicken, insgesamt sind 600 Millionen Dosen bestellt.

          Von Mai an könne Pfizer allein in Puurs 100 Millionen Dosen im Monat produzieren. Von der Leyen bekräftigte, dass ein Anschlussvertrag über 1,8 Milliarden Dosen mit dem Hersteller kurz vor dem Abschluss stehe. Dieses Kontingent soll vom Jahresende an bis zum Jahr 2023 ausgeliefert werden und für Auffrischungs- und Kinderimpfungen zur Verfügung stehen. 

          Mit den Öffnungen genießen Geimpfte erstmals Vorteile

          Derweil hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán weitgehende Öffnungen des Lebens für all jene Bürger angekündigt, die zumindest eine Impfung gegen Covid-19 erhalten haben. „Mitte nächster Woche werden wir bei vier Millionen (Erst-) Impfungen stehen“, sagte der Politiker am Freitag im staatlichen Radio. „Dann werden wir einen breiten Kreis von Dienstleistungen jenen zugänglich machen, die über einen Immunpass verfügen.“

          Inhaber dieses Dokuments könnten dann wieder Theater, Kinos, Tiergärten, Wildparks, Zirkusse, Museen, Sportveranstaltungen und Fitness-Studios besuchen. Auch könnten sie in Hotels übernachten und die Innenräume von Gaststätten aufsuchen, sagte Orbán. Einen Immunpass erhält in Ungarn jeder, der eine erste Impfung gegen Covid-19 erhalten hat. Fast alle in Ungarn eingesetzten Impfstoffe beruhen darauf, dass jeweils zwei Dosen verabreicht werden.

          Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán
          Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán : Bild: dpa

          Der Ausweis im Scheckkarten-Format enthält keine Angaben darüber, mit welchem Impfstoff sein Inhaber geimpft wurde. Er beinhaltet neben Namen, Pass- und Personalausweisnummer lediglich das Gültigkeitsdatum. Dieses bemisst sich daran, dass die Wirksamkeit der Impfungen mit sechs Monaten veranschlagt wird. Geimpfte können ihre Kinder, die derzeit nicht geimpft werden können, zu den künftig zulässigen Veranstaltungen und Aktivitäten mitnehmen. Mit den geplanten Öffnungen genießen Inhaber des Dokuments erstmals Vorteile gegenüber nicht geimpften Mitbürgern.

          Das EU-Land Ungarn macht bei den Impfungen gute Fortschritte, weil es neben den westlichen auch russische und chinesische Impfstoffe verwendet, die in der EU noch nicht zugelassen sind. Bislang erhielte etwas mehr als 3,5 Millionen Ungarn eine erste
          Impfung, knapp 1,5 Millionen sind schon vollständig immunisiert. In Ungarn leben knapp zehn Millionen Menschen.

          Ein besonders breites Test-Angebot 

          In Österreich wiederum dürfen ab 19. Mai praktisch alle wegen der Corona-Krise heruntergefahrenen Branchen einen Neustart wagen. Das kündigte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag an. Zentrale Säule des Schritts ist ein umfassendes Schutzkonzept, bei dem Zutrittstest für Gastronomie, Hotellerie, Sport und Kultur im Mittelpunk stehen. „Diese Öffnungsschritte erfolgen mit strengen Sicherheitskonzepten, aber sie erfolgen“, sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag in Wien. Er hoffe darauf, dass weitere Erleichterungen zum Beispiel für die Nachtgastronomie, für Hochzeitsfeiern und für Vereinsfeste ab 1. Juli folgen könnten.

          Er sei angesichts dieser Pläne mit einer wieder steigenden Anzahl Corona-Infektionen zu rechnen, sagte Kurz. Es sei aber davon auszugehen, dass dank der Impfungen die Situation beherrschbar bleibe. „Da liegt schon eine gewisse Vorfreude in der Luft“, sagte Vize-Kanzler Werner Kogler. Es sei der Regierung wichtig, eine positive Perspektive zu geben und für Planbarkeit zu sorgen. Auch die Deutschen, die Urlaub in Österreich machen wollen, können laut Regierung wieder planen. Die Quarantänepflicht gelte nur noch für Hochrisikogebiete. Für Einreisen aus Deutschland reichen ein negativer Test oder der grüne Pass.

          Konkret sind Veranstaltungen mit Schutzkonzept von bis zu 3000 Menschen im Freien ab 19. Mai wieder möglich. Für Innenräume gilt eine Obergrenze von 1500 Personen. Sperrstunde in der Gastronomie und in der Kultur und beim Sport sei 22 Uhr. Österreich hat auch im globalen Vergleich ein besonders breites Test-Angebot ausgerollt. Die wöchentlich millionenfach Tests waren und sind ein Rückgrat der Corona-Strategie. In der Corona-Krise waren die Zahlen der Neuinfektionen zuletzt etwas gefallen. Auch der Druck auf den Intensivstationen nahm ab. Insgesamt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit rund 180 aber immer noch deutlich über dem deutschen Wert von 164.

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