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ETF-Sparpläne : Ein Sparplan für die Niedrigzinsphase

Was ist drin im Sparschwein? Bild: DPA

Jeden Monat sparen und anlegen: das ist die Idee von ETF-Sparplänen. Aber nicht alle sind günstig. Auch problematisch: Was passiert, wenn die Aktienkurse einbrechen?

          Die Zinsen für Festgeld sind unglaublich niedrig, Bundesanleihen bringen kaum Rendite – und der Kauf einzelner Aktien ist vielen Privatanlegern zu riskant. Eine Alternative sind sogenannte Indexfonds (ETF). Mit ihnen investiert man zum Beispiel in Aktien – aber nicht in Einzeltitel, sondern in einen Index wie den Dax für deutsche oder den „MSCI World“ für internationale Aktien.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine besondere Möglichkeit, solche Indexfonds zu kaufen, sind sogenannte ETF-Sparpläne. Sie funktionieren so: Der Sparer legt jeden Monat einen festen Betrag zurück. Möglich ist das ab 25 Euro, aber erst ab etwa 100 Euro lohnt es sich so richtig. Die Bank, über die man das macht, investiert das Geld dann für einen in ETF-Anteile.

          Niedrigere Verwaltungsgebühren

          Was bringt das? Der Sparer kombiniert bei ETF-Sparplänen die Vorteile aus zwei Welten. Die Indexfonds bieten die Möglichkeit, sein Geld relativ bequem und günstig mit einer gewissen Risikostreuung anzulegen. Man ist nicht von der Kursentwicklung einzelner Aktien abhängig, sondern von der Entwicklung ganzer Aktienmärkte. Die sind in der Regel etwas stabiler.

          Im Vergleich zu traditionellen, sogenannten „aktiven“ Fonds mit einem Fondsmanager liegen die Verwaltungsgebühren niedriger. Mehr als 0,3 Prozent der investierten Summe muss man in der Regel bei einem Indexfonds, der den Dax abbildet, nicht zahlen. Gemanagte Fonds hingegen verlangen eine jährliche Verwaltungsgebühr von bis zu zwei Prozent; hinzu kommen in der Regel ein Ausgabeaufschlag der jeweiligen Bank und unter Umständen eine von der Wertentwicklung abhängige Performance-Gebühr. Und besser als die ETF sind die Fondsmanager eher selten: Studien zeigen, dass es keinem Fondsmanager dauerhaft gelingt, den Markt zu schlagen.

          Vorsicht vor zu hohen Gebühren

          Die ETF-Sparpläne ergänzen diese Stärke der Indexfonds um ein weiteres Prinzip: Man kauft die Wertpapiere zu einem Durchschnittskurs. Der Mechanismus geht so: Der Anleger spart jeden Monat den gleichen Betrag – und kauft dafür so viele ETF-Anteile, wie er bekommt. In Zeiten, in denen die Indexfonds relativ teuer sind, kauft man daher weniger Anteile – in Zeiten, in denen sie günstig sind, mehr. Am Ende hat man die Anteile so im Schnitt zu einem mittleren Kurs erworben. „Cost-Average-Effekt“ nennen das die Experten. Auf diese Weise umgeht man die Gefahr, bei zu hohen Kursen einzusteigen. Da es häufig schwierig zu beurteilen ist, ob Aktien gerade teuer oder billig sind, ist der Effekt umso hilfreicher.

          Aufpassen sollten Anleger allerdings, dass ihre Bank ihnen für die Sparpläne keine zu hohen Gebühren abknöpft. Günstige Sparpläne werden vor allem von Direktbanken angeboten. Die Filialbanken wollen die ETF nicht zu sehr fördern, weil sie mit den hauseigenen, aktiv verwalteten Fonds mehr verdienen.

          Fondsmanager sehen selten Kurseinbrüche voraus

          Die meisten Direktbanken nehmen für ETF-Sparpläne keine Depotgebühren – wohl aber Order-Provisionen für Kauf und Verkauf. Sie berechnen sich zum Teil aus dem Ordervolumen, zum Teil gibt es einen festen Betrag je Order. Ein solcher Festbetrag ist umso besser, je mehr man im Monat spart. Ein Vergleich lohnt: Bei einer Sparrate von 100 Euro im Monat können die Provisionen je nach Bank zwischen null und mehr als 35 Euro im Jahr betragen. Einige Direktbanken bieten Sparpläne an, bei denen man die Indexfonds eines Anbieters gebührenfrei kaufen kann. Damit sind sie auf den ersten Blick unschlagbar günstig – zugleich schränkt das aber die Auswahl ein (siehe Tabelle).

          Eine heikle Frage bleibt: Was passiert, wenn der Dax jetzt nicht die 10000 Punkte nimmt, sondern einbricht? Ist man dann mit Indexfonds nicht dumm dran, weil man die Verluste des Index eins zu eins mitmacht? Manager von aktiven Fonds argumentieren gern, dass sie bei Kursstürzen das Schlimmste verhindern könnten. Martin Weber, Finanzprofessor in Mainz, ist skeptisch: In der Vergangenheit hätten die Fondsmanager es nicht zuverlässig geschafft, Kurseinbrüche vorherzusehen. Wem das Risiko zu groß ist, allein auf einen Aktienindex zu setzen, der kann auch bei ETF-Sparplänen sein Geld auf mehrere Anlageklassen streuen. Etwa: 60 Prozent weltweite Aktienindizes, 25 Prozent Anleihenindizes und 15 Prozent Rohstoffe, wie Weber vorschlägt. Der Professor verweist als Beleg für die Überlegenheit der Indexfonds gern auf Warren Buffett. Der Starinvestor, der wie kaum einer die Märkte kennt, hat verfügt: Nach seinem Tod sollen von seinem Privatvermögen lediglich zehn Prozent in Staatsanleihen gesteckt werden. Und 90 Prozent in einen ETF.

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