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Esprit-Chef Thomas Grote : „Wir sind quasi halbe Chinesen“

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Mode ist ein einfaches Geschäft - sagt jedenfalls Esprit-Chef Thomas Grote. Im Interview spricht er über den Wettlauf mit H&M und Zara, die Sprüche der Berater und die Geschäftsaussichten in Asien.

          Der gelernte Einzelhandelskaufmann Thomas Grote, 43, ist seit 2006 Chef der Modemarke Esprit. Den Posten übernahm er von Heinz Krogner, der an die Spitze der in Hongkong notierten Esprit-Holding wechselte. Auch in dieser Position soll ihm Grote eines Tages nachfolgen. Der Textilkonzern mit Sitz in Hongkong und Ratingen ist mit 2,4 Milliarden Euro Umsatz weltweit die Nummer vier hinter Gap, H&M und Zara. Esprit betreibt 640 Shops in mehr als 40 Ländern. Im Interview spricht Grote über den Wettlauf mit H&M und Zara, die Sprüche der Berater und die Geschäftsaussichten in Asien.

          Herr Grote, Ihr Konkurrent H&M hat eine neue Luxus-Kette gestartet. Haben Sie schon reingespitzelt?

          Ich persönlich noch nicht. Aber natürlich haben wir Teile der Kollektion hier im Haus schon intensiv begutachtet.

          Sprich: gerubbelt, geknubbelt, gezerrt.

          Ja, klar. Ich muss gestehen, manche Teile waren von richtig guter Qualität. Respekt. Manches war auch eher, na ja . . .

          Der Angriff der Schweden mit der Zweitmarke Cos zielt direkt auf Sie, auf die Preisklasse von Esprit. Wie kontern Sie?

          Preislich steigt H&M zu uns auf, eine Bedrohung ist das trotzdem nicht, weil sie eine andere Strategie fahren. Einen Cos-Laden kann man in London aufmachen, in Hamburg und einigen anderen Großstädten, das war es dann.

          Ihre Esprit-Shops gibt es auch nur in größeren Orten.

          Wir erzielen aber mit Kaufhäusern und Franchise-Partnern 55 Prozent unseres Umsatzes. Und sind damit auch in kleineren Orten präsent. Das ist der entscheidende Unterschied zu H&M oder Zara: Die sind Händler, wir eine Marke. Solange sie ausschließlich über ihre eigenen Läden verkaufen, mache ich mir keine Sorgen.

          Sie haben zum Amtsantritt 2006 angekündigt, den Umsatz von 2,4 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Schaffen Sie das?

          Locker.

          Und wie steht es mit dem Ziel, Zara und H&M zu überrunden? Dazu müssten Sie die Einnahmen gar verdreifachen.

          Ich messe mich nicht am Umsatz. Wir wollen besser sein und rentabler. Und das sind wir. Unsere Umsatzrendite liegt bei 17 Prozent. Das schafft niemand sonst in der Modebranche. Selbst Hugo Boss bringt es nur auf acht Prozent.

          So gerade weist Ihr Weg auch nicht nach oben: Im Herbst 2005 war ein Teil der Damen-Kollektion qualitativ so schlecht, dass Sie die Teile nicht in die Läden ausliefern konnten.

          Das stimmt. Und das, was wir in den Läden hatten, war viel zu trendy, viel zu jung. Wir haben Rabatte geben müssen, um die Sachen überhaupt loszubekommen. So kann man kein Geld verdienen. Das zuständige Team hat damals keine gute Arbeit geleistet.

          Und heute?

          Heute leite ich den Bereich. Wir sind wieder bei einem Umsatzzuwachs von gut 20 Prozent. So muß das sein. Das gilt für alle Kollektionen und in allen Märkten.

          Sie investieren stark in Asien, in China, in Indien. Braucht man tatsächlich einen Esprit-Laden in Ulan-Bator?

          Ganz gewiss, ja.

          In der Hauptstadt der Mongolen?

          Die Menschen dort dürsten nach westlichen Lifestyle-Labels. Und in der Mongolei sind wir eine Premium-Marke, gehören zu den Top of the Pop. Nicht wie hier, wo sich fast jeder unsere T-Shirts für 12,95 Euro leisten kann.

          Wie sieht denn so eine Einkaufsstraße in der Mongolei aus?

          Besser als in Indien, wo man gelegentlich Angst hat, die Gebäude könnten zusammenbrechen. In Ulan-Bator gibt es viele lokale Einzelhändler, ein paar chinesische Marken, Ralph Lauren - und jetzt uns. In fünf bis zehn Jahren sind die Schwellenländer unsere großen Märkte. Wir wollen vor den anderen da sein. In Indien sind wir bereits in fünf Läden, die Verträge mit 120 weiteren sind unterschrieben.

          Von den gigantischen Chancen in Asien schwärmen viele. Die meisten zahlen bei dem Abenteuer erst mal drauf.

          Wir nicht. Wir sind dort zu Hause, sind quasi halbe Chinesen. Unser Finanzsitz ist seit Jahren in Hongkong, wir sind an der dortigen Börse gelistet und zu unseren Aktionären gehören Asiaten wie Europäer. Bereits jetzt machen wir 300 Millionen Euro Umsatz in China. In zehn Jahren wird er bei einer Milliarde liegen, genauso wie in Indien.

          Sie übertreiben.

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