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Ende der Unterbrechung : Sauberes Öl fließt wieder nach Deutschland

  • -Aktualisiert am

Die Hauptleitung der „Druschba“ (Freundschaft) von Polen nach Deutschland ist wieder frei. Bild: dpa

Das Problem mit dem verschmutzten russischen Öl aus der Pipeline „Druschba“ ist gelöst – pünktlich zum Beginn der Ferien- und Reisesaison.

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          Acht Wochen nach der Unterbrechung russischer Öllieferungen und pünktlich zum Beginn der Ferien- und Reisesaison ist am Montag wieder unverschmutztes Rohöl aus Russland in Deutschland angekommen. „Das Problem ist gelöst“, sagte ein Vertreter des russischen Ölkonzerns Rosneft, der Mehrheitsgesellschafter der Raffinerie in Schwedt an der Oder ist, an der auch Shell und Eni Anteile halten.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Vom französischen Mineralölkonzern Total, der die Raffinerie in Leuna am Ende der russischen Pipeline betreibt, kamen ebenfalls positive Signale. Die Hauptleitung der „Druschba“ (Freundschaft) von Polen nach Deutschland sei wieder frei, so dass darüber wieder sauberes Rohöl aus Russland nach Deutschland fließe. Allerdings habe sie noch nicht wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht.

          Bis sich die Lage im gesamten Pipelinesystem wieder normalisiere, würden vermutlich noch einige Wochen vergehen. Optimistischer klangen dagegen die Signale aus der Raffinerie in Schwedt. Hier will man schon in den kommenden Tagen und damit zu Beginn der Sommerferien in Berlin und Brandenburg Ende der Woche wieder die volle Produktionskapazität erreichen.

          Verschmutzung mit Chloriden

          Grund für den seit Ostern andauernden Lieferstopp waren weitreichende und schwerwiegende Verschmutzungen des russischen Öls mit Chloriden. Deren Anteil im Öl war so hoch, dass die Raffinerien technisch nicht mehr in der Lage waren, den Rohstoff zu verarbeiten, ohne selbst gravierende Schäden in Kauf nehmen zu müssen.

          Die beiden ostdeutschen Raffinerien mussten daraufhin, wie auch vorgelagerte Raffinerien in Polen, ihre Produktionskapazität reduzieren. Zunächst nutzten sie die gut gefüllten Lager, später wurde Rohöl über kleinere Leitungen aus Rostock und Danzig herangeführt. Das reichte aber nicht, um die Anlagen auf volle Kapazität zu bringen. Benzin, Diesel und Flugbenzin waren mit Tankwagen und Kesselwaggons aus westeuropäischen Raffinerien herangebracht worden, um Tankstellen und die Berliner Flughäfen zu versorgen.

          In den vergangenen Wochen war das verschmutzte Öl aus dem von Russland über Weißrussland und Polen bis nach Deutschland (und über einen frühen Abzweig nach Ungarn) führende Leitungssystem abgelassen worden. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte das Volumen mit 3 bis 5 Millionen Tonnen angegeben. Das Öl wird in großen Tanklagern zwischengelagert, in Weißrussland, Polen auch an den beiden deutschen Raffineriestandorten.

          Mehrere Männer festgenommen

          Unklar ist nach Branchenangaben noch, was damit geschehen soll. Fachleute weisen darauf hin, dass man es in kleinen Mengen mit sauberem Rohöl mischen und verarbeiten könne. Es würde allerdings lange dauern, bis es aufgebraucht wäre. Die Alternative wäre, das Öl etwa von Schwedt nach Rostock zu pumpen, auf Tanker zu verbringen und nach Russland zu fahren.

          In Russland sind schon mehrere Männer festgenommen worden, denen vorgeworfen wird, die Verunreinigungen ausgelöst zu haben. Völlig ungeklärt ist allerdings noch die Höhe der entstandenen Schäden und die Frage, wie diese reguliert werden. Es geht um Entschädigung für Produktionsausfälle, Ersatzbeschaffung, Lagerkosten und nicht zuletzt Havarien, die das verdreckte Öl ausgelöst hat. Entschädigungsforderungen können die Milliardengrenze übersteigen.

          Russlands stellvertretender Energieminister Pawel Sorokin sagte unlängst, man werde mit den Unternehmen verhandeln. Russland sei und bleibe ein verlässlicher Lieferant, hatte er gesagt und: „Die Entschädigung wird fair sein.“

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