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Erwachende Riesen (8) : Der größte Stahlkonzern Lateinamerikas

  • -Aktualisiert am

Die Stahlproduktion boomt weltweit Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die brasilianische Gerdau-Gruppe, ein Stahlkonzern mit deutschen Wurzeln, geht auf Expansion. Die Produktionskapazität soll in diesem Jahr die von Deutschlands größtem Stahlkocher Thyssen Krupp erreichen.

          Die Stahlindustrie boomt derzeit in der ganzen Welt. Gleichzeitig kommt in der Branche ein weltumspannender Konsolidierungsprozeß in Gang, bei dem aufstrebende Unternehmen aus Schwellenländern immer stärker zur treibenden Kraft werden.

          Zu den expansionsfreudigsten Unternehmen der Branche gehört seit einigen Jahren die brasilianische Gruppe Gerdau. Mit ihren jüngsten Übernahmen in den Vereinigten Staaten und in Kolumbien sowie durch laufende Investitionen im eigenen Land wird die Gruppe 2005 eine Produktionskapazität von rund 17 Millionen Tonnen Rohstahl erreichen - immerhin etwa soviel wie die Jahresproduktion von Deutschlands größtem Stahlkocher Thyssen Krupp (2003).

          "Die Zukunft der Stahlindustrie liegt da, wo die Rohstoffe sind"

          Damit wird das von einer deutschstämmigen Familie beherrschte Unternehmen aus dem Süden Brasiliens im laufenden Jahr wohl in das Dutzend der weltgrößten Stahlproduzenten aufsteigen. Auf einem gesunden Fundament im brasilianischen Heimatmarkt aufbauend, wolle Gerdau im globalen "Konsolidierungsspiel" auch weiterhin eine "aktive Rolle spielen", sagte der Unternehmenschef Jorge Gerdau Johannpeter dieser Zeitung.

          "Die Zukunft der Stahlindustrie liegt da, wo die Rohstoffe sind", erklärte vor kurzem der Chef des südkoreanischen Stahlkonzerns Posco, Lee Ku-taek. Vor allem deshalb rückt neben dem alles dominierenden China auch das besonders rohstoffreiche Brasilien stärker ins Blickfeld international agierender Stahlunternehmen. Der europäische Konzern Arcelor hat sich in Brasilien durch Übernahmen und Beteiligungen bereits als größter Stahlkocher etabliert. Die Thyssen Krupp AG, Posco und die chinesische Baosteel planen jeweils Milliardenprojekte im Verein mit dem führenden Eisenerzproduzenten Companhia Vale do Rio Doce. Mit der Gerdau-Gruppe hat im Gegenzug ein brasilianisches Unternehmen den Aufstieg in die Weltliga der Stahlmultis geschafft.

          Der Wert von Gerdau ist dieses Jahr um 70 Prozent gestiegen

          Während sich andere Großunternehmen Brasiliens bislang vornehmlich auf den heimischen Markt konzentrieren, erzielt die Gerdau-Gruppe bereits mehr als die Hälfte ihres Gesamtumsatzes im Ausland. Die Produktionskapazitäten sind zu etwa gleichen Teilen auf Süd- und Nordamerika verteilt. In der auf globaler Ebene immer noch stark atomisierten Stahlbranche hat Gerdau zwar nicht einmal zwei Prozent Anteil an der Weltproduktion. Doch immerhin sind die Brasilianer bereits der größte Hersteller von Langstahlprodukten wie Profile, Stäbe und Drähte auf dem gesamten amerikanischen Kontinent.

          In den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres ist der Gruppenumsatz um 51,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 17,6 Milliarden Real (rund 6,5 Milliarden Dollar) hochgeschnellt (Gesamtumsatz 2003: 15,8 Milliarden Real). Gleichzeitig konnte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mehr als verdoppelt werden (plus 110,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Real). Der Wert der in New York, São Paulo und Madrid notierten Aktien der Gerdau S.A. ist in diesem Jahr um 70 Prozent in Dollar gestiegen.

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