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Erstmals kein Deutscher : Belgier Praet wird neuer Chefvolkswirt der EZB

  • -Aktualisiert am

Der Belgier Peter Praet ist seit Juni bei der EZB. Er arbeitete vorher bei der Zentralbank seines Heimatlandes. Bild: Bloomberg

Überraschung bei der Europäischen Zentralbank: Erstmals wird der Posten des Chefvolkswirts nicht an einen Deutschen vergeben. Der Belgier Peter Praet wird Nachfolger von Jürgen Stark.

          EZB-Präsident Mario Draghi hat unerwartet den Belgier Peter Praet zum neuen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank berufen. Zuvor galten die beiden neuen Direktoren, der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoît Coeuré, als Favoriten.

          Obwohl nun das einflussreiche Ressort Volkswirtschaftliche Analyse erstmals nicht an einen Deutschen vergeben wird, fühlt sich die deutsche Seite nicht übergangen. „Der neue Aufgabenzuschnitt im Direktorium der EZB ist eine ausbalancierte Entscheidung“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Praet sei eine gute Wahl und Asmussen erhalte wichtige Aufgaben.

          Auch Jörg Asmussen hatte sich Hoffnungen auf den Posten des Chefvolkswirts gemacht

          Asmussen wird künftig weite Teile der Außenbeziehungen der EZB steuern. Er wird unter anderem die Beziehungen zum Ecofin, zur Euro-Gruppe und zur G 20 pflegen und Draghi in diesen Institutionen vertreten. Bisher hatte diese Aufgabe der Vizepräsident Vitor Constancio inne, der an Gewicht im Direktorium verliert.

          Asmussen ist außerdem künftig für die Rechtsabteilung der EZB verantwortlich, die besonders wegen der Beurteilung der Staatsanleihenkäufe einige Bedeutung hat. Zudem wird erwartet, dass die EZB bei der vertraglichen Umgestaltung der Währungsunion eine beratende Rolle spielen wird. Es sei also weit mehr als nur die Berufung eines neuen Chefvolkswirts beschlossen worden, hieß es aus dem Umfeld der EZB. Das gesamte Direktorium sei neu und effektiv strukturiert worden.

          Die Mitglieder des EZB-Direktoriums

          Der Franzose Benoît Coeuré, der sich ebenfalls berechtigte Hoffnung auf die Position des Chefvolkswirts gemacht hatte, wird das Ressort Marktoperationen leiten. Auch das ist ein Schlüsselressort, weil aus diesem Bereich viele Informationen stammten, mit denen die umstrittenen Anleihekäufe begründet wurden. Außerdem werden über diesen Bereich die Anleihekäufe abgewickelt und gesteuert. Der Franzose übernimmt diese Aufgabe vom Spanier José Manuel González-Páramo, dessen Amtszeit in einigen Monaten endet.

          Klarer Verlierer der Personalrochade ist der Portugiese Vítor Constâncio. Er bleibt zwar Vizepräsident und behält schon wegen dieser Rolle, die ihn zum Mitglied im Europäischen Systemrisikorat ESRB macht, das Ressort Finanzstabilität. Zudem erhält er passend dazu die Verantwortung für die Zahlungsverkehrssysteme. Er muss jedoch weite Teile seiner Zuständigkeit an Asmussen abgeben.

          Der bisherige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hatte den Posten aus Protest gegen die Staatsanleihenkäufe der EZB zum Jahresende geräumt

          Peter Praet folgt als Leiter der Volkswirtschaftlichen Analyse – die Funktion des EZB-Chefvolkswirts gibt es nur inoffziell – dem zu Jahresbeginn ausgeschiedenen Deutschen Jürgen Stark nach. Stark war zurückgetreten, weil er die sich ausweitende Krisenpolitik, vor allem die wachsenden Ankäufe von Staatsanleihen, nicht mehr mittragen wollte. Praet gilt in dieser Frage zumindest als Skeptiker und hat sich im EZB-Rat in den vergangenen Monaten immer stärker auf die Seite derer gestellt, die das Anleihekaufprogramm zumindest in engen Grenzen halten wollen.

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