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Erste Bilder aus dem Neubau : Die neue Burg der EZB

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Rechtskosten unterschätzt

1,3 Milliarden Euro sind auch bedeutend mehr als die zuerst errechneten 850 Millionen Euro – wenn auch die Steigerung im Vergleich zu Katastrophenprojekten wie der Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen moderat ist. Der wichtigste Grund dafür, dass der Bau so viel teurer wurde, liegt ironischerweise in der Inflation – und in der Zeit. Zu Anfang verzögerte sich das Bauprojekt enorm, weil sich kein Generalunternehmer fand, der es zum von der EZB berechneten Preis übernehmen wollte. Die EZB trat zurück, rechnete lange – und schrieb dann die Bauleistungen einzeln in Paketen aus. „Das war viel mehr Arbeit, aber das bringt Konkurrenz ins Geschäft und bessere Preise“, verteidigt Projektleiter Rinderspacher heute die Entscheidung. Doch damit ging viel Zeit verloren. Zeit, in der die Baupreise enorm stiegen, schließlich boomte damals gerade die Baukonjunktur weltweit.

Ein weiterer Grund dafür, dass alles teurer wurde, war der rechtliche Aufwand, den man in der EZB unterschätzt hatte. Bei öffentlichen Bauprojekten versuchen sich die Anbieter in der Ausschreibung zu unterbieten. Danach aber setzen sie große Rechtsabteilungen dran, um rauszuholen, was nur geht. Die EZB musste sich externe Rechtsberatung sichern, um dagegen anzukommen. Vor allem, als es Probleme mit der Firma gab, die als Erstes den Rohbau erledigen sollte. Noch während der Tiefbauarbeiten zerstritt man sich so sehr, dass es nicht mehr miteinander ging. Die EZB suchte einen anderen Anbieter für den Rohbau, musste dem alten aber natürlich etwas zahlen, um den Vertrag aufzulösen.

Leichtigkeit des Rohbaus ging verloren

Als teuer erwies sich außerdem die Tatsache, dass die Großmarkthalle aus den 20er Jahren erhalten werden musste – und unberechenbar war. Ihre Fundamente waren schlechter, als im Bauplan angegeben. So mussten sie neu verstärkt werden: „durch Betoninjektionen“, erklärt Rinderspacher. „Ähnlich wie man es beim Schiefen Turm von Pisa gemacht hat.“ Aufwendig und teuer.

Aber über den Preis will sich in der EZB heute keiner mehr ärgern. Jetzt geht es um den Einzug in das Gebäude, das auch für ganz normale Mitarbeiter einige Annehmlichkeiten bietet. In den Ostkopf der Großmarkthalle wird ein Fitness-Studio einziehen: über zwei Etagen. Ebenfalls in der Großmarkthalle befindet sich die Kantine, die mit blitzendem Metall an ein TV-Raumschiff erinnert. Das Beste aber sind die Zwischenetagen, die immer wieder den Nord- und den Südturm verbinden. Hier sind Plattformen eingebaut, auf denen sich die Mitarbeiter begegnen sollen. „Dort kann man mit Kollegen zusammensitzen vor bester Aussicht. Das ist ein neuartiges Konzept“, schwärmt Architekt Prix. Kaffee soll es hier geben und Internet an Stehtischen mit Ausblick Richtung Stadt, Prix wünscht sich zudem Lounge-Sessel. Die sind bislang nicht da, eines ist aber schon deutlich: Der Neubau ist von innen weitaus schöner als von außen. Auf den Zwischenetagen ist es leicht und licht. Man hat mehrere Etagen Luftraum über sich, blickt weit nach oben – und weit in die Ferne, in die Stadt. Von außen hingegen wirkt der Bau mittlerweile ein wenig klotzig. Die Leichtigkeit, die der Rohbau noch hatte, ist weg, seit er mit Glas verkleidet wurde. Aber vielleicht soll das auch so sein. „Die EZB ist ein Powerplayer im System der EU“, sagt Prix. „Und das zeigt sie mit dem Gebäude nun auch.“

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